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Warum Politik & Hochschule trotz Lehrermangel nicht handeln

Ein Meinungsartikel:
Die Semesterferien haben begonnen, die Schulferien stehen vor der Tür und erneut befinden wir uns in einer großen Diskussion um den Lehrermangel. Besonders spannend sind dabei aber auch die Kommentarspalten auf Social Media, sowie angebliche Experten, die abenteuerliche Erklärungen für die Situation liefern. Daher gibt es zum Semesterferienanfang noch einen kleinen Artikel, was sich in der öffentlichen Debatte gerade so tut und warum es ein Kampf gegen Windmühlen ist, da sich immer (!) noch keine Lösung in Politik und Hochschule abzeichnet.

  1. Gegenstimmen mit “Aber ich spüre noch keinen Mangel”
    Ach, wie hasse ich anekdotische Evidenz. Die letzten 2 Jahre hat das Unsinn-Argument uns schon bei Corona verfolgt: ‘Ich hatte noch kein Corona, daher gibt es kein Corona’… was für ein Unsinn. Der Lehrermangel drückt sich differenziert aus… nicht in allen Fächern, nicht in allen Schulen, nicht in allen Schulen in jedem Jahr, Land-Stadt-differenziert. Klar, die prestigeträchtige Wunsch-AHS mit vielen Bewerbern hat vielleicht keinen Mangel, aber das widerlegt nicht die klare Mathematik der Gesamtsituation. Wir haben das hier schonmal sehr genau aufgeschlüsselt und mit Zahlen belegt.
  2. “Die gestiegene Studiendauer ist gar nicht Schuld”
    Klar ist eine monokausale Zuschreibung in einer komplexen Welt niemals die ganze Wahrheit. Aber: Pensionierungen der Baby-Boomer-Generation waren seit Jahrzehnten absehbar, den Rückgang der Studierendenzahlen konnte man zwar vielleicht nicht prognostizieren aber in Echtzeit beobachten. Seit der Studienreform 2014 sind 8 Jahre und viele Regierungen/Minister ins Land gezogen und niemand hat irgendwas dagegen getan – wem soll man nun die genaue Schuld für das Nicht-Handeln geben? Nur weil wir einem Zugunglück in Zeitlupe zuschauen mussten und über fast ein Jahrzehnt ständig Warnungen in den Wind geschlagen wurden, ändert das aber nichts am Outcome. Und die einzige Lösung ist eine sofortige Verkürzung des Lehramtsstudiums, selbst wenn viele Faktoren in der Vergangenheit uns in diese Situation gebracht haben. Die Verlängerung der Studienzeit hatte am Ende trotzdem den größten strukturellen Einfluss auf die heutige Situation, weil es viele Studierende vom Lehramtsstudium verschreckt hat. Und alle Entwicklungen waren schon lange sichtbar und messbar, wenn man hingeschaut hätte.
  3. “Die Uni macht schon, was in ihrer Macht steht”
    Falsch, einfach falsch. Längst wäre es gesetzlich möglich, den Master in der Sekundarstufe auf 3 Semester zu kürzen. Das wäre wenigstens ein Semester Verkürzung und würde den Master weit berufskompatibler machen (1 Semester ist rechnerisch ja zusätzlich schon für Masterarbeit und Masterprüfung vorgesehen, sodass “nur” 2 Semester inhaltliche LVen übrig bleiben würden). Die STV hat bereits vor Jahren ein fertiges Konzept dafür vorgelegt – es ist also möglich und wäre sehr schnell umsetzbar.
    Stichwort ‘Berufsbegleitendes Studium’: solange wir uns nicht mal eine klare Definition von ‘berufsbegleitend’ an der Uni einigen können (Fachhochschulen machen das ja erst seit Jahrzehnten erfolgreich: Studium von Freitag nachmittag bis Sonntag abend, der Rest digital und asynchron) brauchen wir nicht groß darüber reden. Beim Thema Anwesenheitspflicht hält man weiterhin an der unsinnigen “80% – egal ob 1. Semester Bachelor oder 4. Semester Master” Regel fest, obwohl Anwesenheitspflicht gar nicht gesetzlich verankert oder verpflichtend sein müsste. Nach Corona drehen wir bedingungslos auf Präsenzlehre zurück – Abweichungen sind nicht mehr groß erwünscht oder ermutigt. Studienbeitragserlass durch Berufstätigkeit z.B. im Schuldienst ist immer noch nicht wieder im Gesetz oder an der Uni verankert.
    Nein, die Uni tut keinesfalls ihr Bestes und alles in ihrer Macht stehende. Do not Bullshit us, do not Bullshit the public, do not Bullshit yourself! Sich als Hochschule gleichzeitig öffentlich auf den Lorbeeren von einigen wenigen Lehrenden auszuruhen, die ‘das Richtige’ tun und das Rad der Fernlehre und asynchronen Lehre eben nicht vollständig zurückdrehen – auch gegen Widerstände der Hochschule – ist hingegen einfach nur unehrlich.
  4. “Quereinsteiger werden es richten”
    Lieber Minister, weißt du eigentlich, was du da redest und wie du langfristig dem Lehramt damit schadest? Ich bin mir unklar, ob hier die Verzweiflung oder echte Kurzsichtigkeit spricht. Wenn ein einfaches Fachstudium und 3 Jahre Büroarbeit irgendwo tatsächlich für das Lehrerdasein qualifiziert, warum tun wir uns den ganzen Quatsch mit 6-jährigem Studium und 2 Fächern eigentlich an? Warum Praktika und Bildungswissenschaften, warum Fachdidaktik und Reflexionszwang – 6 Jahre lang?
    Und wen wird man damit anziehen? Den erfolgreichen Diplom-Chemiker, der locker 5-stellig in der freien Wirtschaft pro Monat verdienen kann? Den Physiker, der in der freien Wirtschaft freie Wahl des Arbeitsplatzes hat? Irgendwie bezweifle ich, dass diese Maßnahme genau in den Mangelfächern wirklich helfen wird.
    Und was dann? Was ist die langfristige Perspektive? Wir haben dann formal unterqualifizierte Leute, mit Unterrichtsbefähigung in nur einem Unterrichtsfach langfristig im System. Neben Personen in altem und neuem Dienstrecht, neben 3-jähriger NMS Ausbildung alt, 4,5-jähriger Diplomausbildung alt, 6-jährigem BEd. und MEd. Absolventen? Neben Upgrade-Studien (für 3-jährige PH-Absolventen), Erweiterungsstudium, Berufspädogik, regulärem Studium bauen wir also jetzt noch ein weiteres Modell?
    Hier muss die Verzweiflung sprechen, denn was hier an Schaden und langfristigem Chaos schon wieder angerichtet wird, ist unerträglich.
  5. “Frühere Berufspraxis ist doch eh gut, warum soll Arbeiten während des Studiums schlecht sein”
    Das Studium ist ein Vollzeitstudium und der Bachelor sollte und soll auch nicht zum berufsbegleitenden Studium werden. Leute früh an die Schule zu schicken, im Zweifel zu überfordern in einem personell bereits ausgetrockneten Schulsystem ohne Begleitung, die Chance auf Studienfortschritt der Leidensfähigkeit von Studierenden zu überlassen und bereits nach einem Studienjahr Vollzeitverträge (aber dafür immer schön mit Lohnabschlägen, weil Leistung sich dort zumindest scheinbar doch nicht lohnt?) auszustellen ist nicht die gesunde Art von “Berufspraxis”. Das mag zwar Löcher jetzt und heute stopfen, aber wird garantiert einige vergraulen: Leute vergraulen, die dem Schulsystem nach dem Studium den Rücken kehren, die das Studium ganz abbrechen, die anderen von einem Lehramtsstudium aktiv abraten. Und dann ist da ja noch die Uni: solange Anerkennungen von Berufspraxis so restriktiv gehandhabt werden, wird man für Berufspraxis sogar bestraft, denn Schulpraktika (vormittags) gehen sich garantiert nicht mit Arbeit an einer Schule (vormittags) aus.
    Und im ersten Berufsjahr? Da gibt es zu Arbeit und Studium auch noch Zusatzkurse in der Induktionsphase obendrauf – für eine nette Dreifachbelastung.
  6. Und warum tut die Politik nichts?
    Ich kann diesem Artikel im Standard nur zustimmen: das plötzliche geschäftige ‘Herumwurschteln’ hat leider System; es wirkt geschäftig, gut fürs Selbst-Image, es sieht nach ‘Macher’ aus; ganz egal ob es sich um lange verschleppte und komplett vorhersagbare Probleme handelt. Die langfristig vollkommen schädliche Quereinsteiger-Lösung, plötzlich das Image des Lehrerberufs über eine Werbekampagne aufzumöbeln… dann kann man wieder abwarten und Leute auf das baldige ‘Wirken der Maßnahmen’ vertrösten. Genauso wie eine vor 2 Jahren in Auftrag gegebene Evaluierung der bisherigen Reformen seither sehr erfolgreich benutzt wird, um jede Reform der Induktionsphase und des Studiensystems vom Tisch zu wischen – denn die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das schützt vor diskussionsintensiven echten Reformen – wie einer Studienzeitverkürzung, einem berufsbegleitenden digitalen Studienmodell.
    Wir wissen, dass es offene Ohren für unsere Vorschläge gibt und wir sind denjenigen in Institutionen und Politik dankbar – ihr seid hier nicht mitgemeint. Aber ihr wisst von den obigen Strategien mancher Verantwortlicher ja selbst gut genug.

Verdammt, ist das manchmal frustrierend. So viele Gespräche beginnen mit ‘virtue signaling’, mit einem ‘bitte wissen Sie, wir wollen nur das Beste für die Studierenden’, nur um damit dann Nichts-Tun und utopische angebliche Qualitätsvorstellungen in einem schon zusammenbrechenden System hochzuhalten als reine Nebelgranate für ein reaktionäres ‘es bleibt alles so wie es ist, denn so wie es immer war, ist es gut’. Wir bewerben als STV genau deshalb keine Stellenausschreibungen von Schulen: wir wollen aktuell, solange die Situation so ist, niemanden in ein mit dem Studium inkompatibles rücksichtsloses System drängen oder diese Option bewerben. Das Schulsystem kümmert sich nicht um euren Studienfortschritt, oder dass ihr dann Studiengebühren zahlen müsst, obwohl ihr der Gesellschaft einen großen Gefallen getan habt. Die Frist für den Masterabschluss nach erstem Dienstvertrag liegt ebenfalls alleine bei euch, und niemand wird euch die Doppelbelastung je danken (abseits vielleicht von Lohnabzügen beim Sondervertrag LOL).


Food for thought: je weniger sich als willige Gehilfen und billiges Füllmaterial für systematische Löcher im Schulsystem zu früh ausbrennen lassen, desto schneller wird sich etwas grundlegend ändern. Je weniger zu früh vom System gefressen werden, desto weniger kann das System mit einem trotzigen ‘was denn, es geht ja noch irgendwie’ die Leute zerkaut irgendwann wieder ausspucken. Desto schneller kann man die Lohnungleichheit bei Sonderverträgen, die zu lange Studiendauer, digitale und berufsbegleitende Studienmodelle, bessere Ausschreibungsverfahren von Stellen, eine Abschaffung von fachfremden Unterrichten, Abschaffung von schädlichen Quereinsteiger-Modellen, frühere Entfristung von Dienstverträgen, Rückerstattung von Studiengebühren und vieles mehr wirklich angehen, fordern und mit Druck erzwingen. Je mehr Druck im System ist, desto sorgfältiger und rücksichtsvoller wird künftig mit euch umgegangen, desto mehr wird man euch künftig entgegenkommen. Ansonsten sind wir nichts anderes als nur ein weiterer Grund in dieser Liste, warum sich in Politik & Hochschule nichts ändert.

Lehramtkurier: Eine ukrainische Studentenvertreterin berichtet aus dem Kriegsgebiet

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Vorwort von Maximilian Wagner: Während das Sommersemester beginnt, herrschen wenige hundert Kilometer von hier Krieg. Dort gibt es kein Sommersemester mehr, keine Universität, keine Kurse. Ich selbst durfte 2 Jahre die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) auf der europäischen Ebene (ESU) vertreten, und war dort auch immer wieder in engem Kontakt mit den ukrainischen Studierendenvertreterinnen und -vertretern. Die Ukraine ist seit 2008 Teil des Bolognasystems, hat vergleichbare ECTS-Systeme, Hochschulsysteme nach europäischen Standards, entwickelte ihr Bildungssystem für junge Menschen konstant fort. Wir haben uns dort oft über die normalen Probleme an den Hochschulen hier und in der Ukraine unterhalten, gemeinsam an Anträgen geschrieben. Umso schockierender ist nun, dass die selben Personen heute mitten in einem Kriegsgebiet sind, während die Universitäten zerbombt werden und die gesamte Bevölkerung im Land um ihr Leben fürchten muss. Die Bilder und Nachrichten sind schon schlimm, doch persönliche Berichte sind noch viel erschütternder. Der folgende persönliche Bericht einer Kollegin aus der ukrainischen Studierendenvertretung schildert die letzten Tage im Krieg. Spenden- und Hilfsmöglichkeiten sind am Ende des Artikels aufgelistet, falls auch du den Menschen in der Ukraine helfen möchtest.

(Übersetzung aus dem Englischen – ungekürzt – erhalten am 28.02.2022)

Um 6.21 morgens (Kyiv Zeit) weckte mich meine Mutter mit einem Anruf in welchem sie weinte und schmerzvoll schrie. Sie erzählte mir, dass Russland mit der Bombadierung von Kyiv, Kharkiv, Kherson, Mariupol und anderen Städten begonnen habe. Mein Freund und ich waren in Kyiv, daher ist es schwer in Worten auszudrücken, wie meine Mutter sich fühlte und welche Angst sie in diesen Sekunden ergriffen hat. Um ehrlich zu sein, dieser Anruf verfolgt mich bis heute. Ich öffnete Social Media und dass ich schockiert war, wäre eine Untertreibung. Viele Namen schossen mir in den Kopf, Namen von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten aus unterschiedlichsten Teilen der Ukraine, wo die Bombardierungen und Luftangriffe gerade immer weiter gingen. Wir waren nicht auf einen groß-angelegten Krieg vorbereitet, daher habe ich – nach einer 5-minütigen Panikattacke – alle meine Freunde angeschrieben damit auch sie die Situation verstehen, habe mich angezogen, notwendige Dinge zusammengepackt und wir sind in die Ubahn (Schutzbunker). Angst und Panik machten sich in mir breit, und ich war darüber beschämt, da sich andere Freunde mehr zusammenrissen während ich eher destruktiv wirkte. Was mir am meisten Angst machte war die Ungewissheit, wo die nächste Bombe fallen würde.

Als mein Schock schließlich etwas nachließ, war es Zeit zu handeln. Also gingen wir los und kauften notwendige medizinische Dinge und Essen, welches in jeder Situation einfach zuzubereiten ist. Dann ging es zurück in unsere Wohnung. Wie bereiteten alles in unserer Wohnung für den Notfall vor und packten notwendige Dinge, um jeden Moment weg zu können. Ich spürte einen Bombeneinschlag und schon wieder stieg Panik unkontrolliert auf. Ich war verloren und konnte nicht sortieren, was ich nun tun soll/muss. Warum? Sollte ich jetzt etwa umziehen und mein Zuhause verlassen?

Nach 7 Stunden entschieden wir uns, Kyiv zu verlassen und an einen sichereren Ort zu gehen. Und für diese Entscheidung aus der Stadt zu gehen bin ich meinem Freund dankbar, da wir sonst in Kyiv unter ständigen Bombardierungen und Beschuss gestanden wären. Als wir auf dem Weg zum Bahnhof waren flog plötzlich ein Flugzeug über uns hinweg. Ich wusste nicht, zu welcher Seite es gehörte: ukrainisch oder russisch, also liefen wir in den nächsten Schutzbunker. Endlich am Bahnhof angekommen sind wir in eine andere Region gefahren. Aber meine Familie ist noch in einer Stadt mit strategisch wichtigen Einrichtungen. Die Familie meines Freundes ist in einem Gebiet, wo konstant Kämpfe toben. Meine Freunde sind in Gebieten, die jede Stunde bombardiert werden. Einige Städte wurden komplett zerstört oder sind an der Grenze einer humanitären Katastrophe. Darüber hinaus sind hunderte, wenn nicht tausende Zivilisten ums Leben gekommen, darunter Kinder. Kindergärten, Schulen, Gemeindezentren, Krankenhäuser werden bombardiert.

Aktuell bin ich an einem sichereren Ort und tue mein Bestes, den Leuten und unserer Armee zu helfen. Jeden Tag leiste ich ehrenamtliche Arbeit, wie andere Ukrainer auch. Ich werde nie wieder die Person sein, die am 23. Februar ins Bett ging. Ich werde mich niemals wieder in Kyiv sicher fühlen, wo ich 8 Jahre lebte. Ich werde immer den Klang der Bomben hören, selbst wenn nur Feuerwerk gezündet werden sollte. Und ich weiß nicht: werde ich jemals wieder in mein Zuhause zurückkehren? In mir ist viel Hass, Trauer und Schmerz. Aber auch Stolz auf unsere Armee, auf die Menschen und Liebe für das Land. Ich verstehe nicht, warum ich so einen großen Preis zahlen muss, aber ich hoffe, dass Russland dafür in der Hölle brennt.


Spendenmöglichkeiten:

“Bündnis Entwicklung Hilft”BEH und ADH
IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600
BIC: COBADEFFXXX
Commerzbank
Stichwort: ARD/ Nothilfe Ukraine
Caritas ÖsterreichIBAN: AT23 2011 1000 0123 4560 (Kennwort: Soforthilfe Ukraine)
SOS-KinderdorfIBAN: AT62 1600 0001 0117 3240 (Kennwort: Ukraine)
DiakonieIBAN: AT07 2011 1800 8048 8500
ORF (Nachbar in Not)IBAN: AT21 2011 1400 4004 4003 (Kennwort: Hilfe für die Ukraine)
Ärzte ohne GrenzenIBAN: AT43 2011 1289 2684 7600

Kostenlose psychologische Anlaufstelle:

Die psychologische Ambulanz und psychotherapeutische Ambulanz der Sigmund Freud Privatuniversität bietet mit der ÖH kostenlose Krisenintervention für alle ukrainischen Studierenden, die an einer österreichischen Hochschule studieren, in englischer und deutscher Sprache in Präsenz in Wien an. Für Studierende, die derzeit in der Ukraine sind, wird eine Online-Gruppe angeboten.

Ein Sommersemester wie damals

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Die Uni setzt wieder auf Präsenzlehre, ganz so wie es vor Corona war

Laptop, Headset und Co. waren in den letzten zwei Jahren die täglichen Begleiter unseres Studienalltags. Man switchte von einer Videokonferenz zur nächsten, streamte die letzte LV Einheit oder organisierte Gruppenarbeiten in shared Docs. Mit dem kommenden Sommersemester, nach zwei Jahren Pandemie, soll wieder ein Sommer wie damals eingeläutet werden: ein Semester in Präsenz – mit Maskenpflicht, 2,5G-Regel, aber ohne Onlinelehrveranstaltungen.

Als Lehramtsstudierende haben wir gelernt zu reflektieren: Unsere gehaltenen Unterrichtseinheiten, unsere geplanten Unterrichtseinheiten, unsere Präsentationen, unsere Arbeiten und unsere Reflexionen. Wir reflektieren alles. Angesichts der Situation könnte man allerdings meinen, dass die Planung für das kommende Semester nicht zur Gänze reflektiert wurde.

Ja, Onlinelehre ist anstrengend. Ja, die sozialen Interaktionen bei der Onlinelehre halten sich in Grenzen – aber liegt das am Format oder doch an der Aufbereitung? Ja, es ist schwieriger neue Leute kennen zu lernen und sich mit anderen Studis zu vernetzen, wenn alles online ist – aber liegt das an der Lehre oder daran, dass auch Studifeste und -aktionen kaum möglich waren?

Aber ist alles an der Onlinelehre schlecht? Waren die letzten Semester so furchtbar, dass man auf keine reinen Onlinelehrveranstaltungen mehr setzen möchte? Ich bezweifle das!

Hand hoch, wer schon einmal vom Arbeitsplatz aus gestreamt oder an einem Meeting teilgenommen hat, um die Zeit bestmöglich zu nutzen. Hand hoch, wer sich doch noch für LVs angemeldet hat, weil sie durch das Onlineformat in den Terminkalender hineinpassten. Hand hoch, wer sich doch noch nachträglich für VOs angemeldet hat, um noch eine Prüfung mehr abzulegen, weil die Einheiten online nachhörbar waren. Hand hoch, wer extra eine online LV gebucht hat, weil man aufgrund der Onlinelehre nicht nach Salzburg/Linz pendeln musste.

Und wie ist meine persönliche Bilanz? Ich kann kommendes Semester LVs nicht belegen, weil ich (noch) nicht fliegen kann. Ich kann nicht in 20min direkt aus dem Klassenzimmer an die Universität fliegen. Ich kann allerdings in 20min vom Klassenzimmer in den Konferenzraum oder die Bibliothek gehen, meinen Laptop aufklappen und mich online zur LV zuschalten. So ist studieren 2022 für mich möglich. Wenn man sich durch die noch nicht zugeteilten Wartelisten der Masterkurse der Bildungswissenschaften durchklickt, sieht man auch ein deutliches Bild: Die Zahlen der Studierenden auf den Wartelisten sind bei den Kursen, die ab 17h, geblockt und (zumindest teilweise) online sind am höchsten. Woran mag das wohl liegen?

Genau aufgrund dieser Erfahrungen und Tatsachen ist es mir ein Rätsel warum Lehrveranstaltungen im Onlineformat wieder vergessen werden und ausschließlich auf Präsenzlehre gesetzt wird. Wäre die Beibehaltung von LVs in reinen online Formaten v.a. im Masterstudium Lehramt nicht eine win-win-win-Situation? Das erste „win“ steht für die Studis, denn durch online LVs ist es leichter den Lehrberuf oder den Nebenjob mit der Uni zu koordinieren und dadurch mehr LVs in kürzerer Zeit abzuschließen. Das zweite „win“ steht für die Uni, denn wenn Studis Beruf und Uni leichter koordinieren können, steigt auch die Prüfungsaktivität und mit der die Förderungen für die Uni. Und das dritte „win“ geht an die Schulen – an die Schulen, die nicht in der nähe der Uni sind. Denn der Lehrpersonenmangel ist als erstes an den Schulen am Land spürbar. Durch Onlinelehre wäre es für Studierende möglich den Lehrberuf und das Masterstudium an der Uni zu verbinden – unabhängig vom Standort der Schule.

Ich bin gespannt, ob die Uni im kommenden Semester merken wird, dass die Onlinelehre viele Vorteile mit sich gebracht hat durch diese die Prüfungsaktivität der Studierenden erhöht wurde. Vielleicht werden die Zahlen am Ende des Semesters es zeigen, vielleicht aber auch die zahlreichen Emails der Studierenden, die nach Onlinelehre fragen.

ÖH Wahl Special: Der außergewöhnlich lange Entstehungsweg eines Lehramtsstudienplans

(Vorwort: dieser Artikel beschreibt nur die Arbeitsaufgaben der einzelnen Gremien bei einer Studienplanerstellung im Cluster Mitte. Alle diese Gremien haben aber auch in ‘normalen’ Zeiten weitere Aufgaben, auf die hier aber nicht weiter eingegangen wird)

In den meisten Bachelorstudien ist es kein Problem, den eigenen Studienplan zu lesen: 15 Seiten und man ist durch. Doch im Lehramt sieht es mit dem Gesamtstudienplan etwas anders aus: nicht nur muss man sich durch ein viele hundert Seiten starkes Werk quälen, sondern man muss auch immer wieder zwischen den Teilbereichen hin- und herblättern, um Zusammenhänge zu verstehen.

Auch der Entstehungsprozess ist im Lehramt ein wenig anders als in den Fachstudien. Während bei den 15 Seiten Studienplänen in Fachstudien eine 9-köpfige Curricularkommission Änderungen diskutiert, einbaut und beschließt, und der geänderte Studienplan dann nur noch vom Senat bestätigt werden muss, um in Kraft zu treten, gibt es im Lehramt eine große informelle Arbeitsstruktur und teils jahrelange Arbeitsphasen für das Überarbeiteten eines Studienplans – mit dabei natürlich auch immer Studierende der STV.

Die Cluster-Strukturen

Ebene 1: die Arbeitsgruppen

Für jedes Unterrichtsfach und die Bildungswissenschaften (und auch andere Bereiche wie Internationales, Technik, Rechtsfragen) gibt es Arbeitsgruppen (insgesamt circa 26), die einen Großteil der Schreib- und Diskussionsarbeit für ihren Bereich oder bestimmte Aspekte des Studienplans übernehmen. Dort werden die Curriculumsteile für einzelne Unterrichtsfächer geschrieben, mit Vertretern von beiden Standorten (außer ein Lehramtsfach wird ausschließlich in Salzburg oder Linz angeboten) mit Personen aus jeder Hochschule mit diesem Unterrichtsfach, und immer mit Studierendenvertretern (2 je Standort). Hier müssen nicht nur die einzelnen Interessen von Fachwissenschaft vs. Fachdidaktik unter einen Hut gebracht werden, sondern auch Personalressourcen beachtet werden (man kann nicht mehr Kurse ‘verbauen’, als die Hochschulen auch anbieten können), Inhalte und Kompetenzen müssen definiert werden, Kursvoraussetzungen werden festgelegt und ECTS Tabellen gebaut. Alle Entscheidungen müssen am Ende einstimmig sein; wo das nicht möglich ist, wird die Entscheidungskompetenz bei Streitigkeiten an Ebene 2 abgegeben.

Ebene 2: die ‘Curricularkommission Cluster Mitte’

Parallel arbeitet die ‘Curricularkommission Cluster Mitte’ (die rechtlich genaugenommen keine Curricularkommission ist) als koordinierendes Gremium, gibt Rahmenbedingungen für die Arbeitsgruppen vor, diskutiert in Arbeitsgruppen nicht lösbare Probleme. Hier werden auch zentrale Aspekte des Prüfungsrechts für das gesamte Studium diskutiert und festgelegt. Sobald alle Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse abgeliefert haben, wird hier auch das Gesamtergebnis diskutiert, geprüft und bei Unklarheiten oder nicht zufriedenstellenden Ergebnissen muss die Arbeitsgruppe nochmals ran. Sobald der Studienplan fertig ist, kommt es hier zur ersten Abstimmung, ob das Gesamtergebnis passt. Alle Entscheidungen müssen am Ende einstimmig sein; wo das nicht möglich ist, wird die Entscheidungskompetenz bei Streitigkeiten an Ebene 3 abgegeben.

Ebene 3: die Steuerungsgruppe

Hier sitzen die Rektorate des Cluster Mitte, sowie (auf dieser Ebene ohne Stimmrecht) 3 Studierendenvertreter. Auch hier braucht es einstimmige Beschlüsse. Die Steuerungsgruppe legt dabei häufig die Leitlinien fest, nach denen Studienplanüberarbeitungen geschehen sollen und welche Aspekte genau überarbeitet werden sollen. Nach der Curricularkommission Cluster Mitte muss ein neuer Studienplan auch diese Ebene bestehen.

Bonusebene: der Qualitätssicherungsrat

Nachdem ein neuer Studienplan die ersten 3 Ebenen erfolgreich durchlaufen hat, bzw. dort erfolgreich geschrieben, erstellt und beschlossen wurde, macht sich das große Dokument auf den Weg nach Wien. Anders als bei Fachstudien, die jede Universität einfach selbst beschließen und anbieten kann, müssen Lehramtsstudien nicht nur genauen rechtlichen Vorgaben, sondern auch den inhaltlichen Anforderungen der Schullehrpläne entsprechen und dafür ist eine verpflichtende Prüfung beim Qualitätssicherungsrat vorgeschrieben. Diese Expertenrunde erstellt Gutachten, ob die rechtlichen Vorgaben eingehalten, die Lehrpläne abgedeckt, Digitalkompetenzen ausgewiesen, der Studienplan leserlich und der Praxisanteil hoch genug ist – gibt aber auch inhaltliche Empfehlungen für Verbesserungsmöglichkeiten. Nur mit einem positiven Gutachten kann der Studienplan sich weiter auf den Weg machen.

Endlich in den Hochschulgremien

Die Curricularkommissionen: Ab hier ähnelt der Weg eines Lehramtstudienplans endlich dem eines Fachstudiums. Der fertige Studienplan Lehramt kommt nun in die offiziellen Curricularkommissionen (an jeder einzelnen Hochschule im Cluster), wo 9-12 Personen, darunter auch wieder 3-4 Studierendenverteter, nochmals offiziell behandeln. Per Mehrheitsentscheidung kann der Studienplan hier beschlossen werden, um sich auf den Weg zur letzten Instanz zu machen.

Der Senat (an PHs: das Hochschulkollegium): als höchstes akademisches Gremium innerhalb der Uni/PH wird hier letztmalig der Studienplan beschlossen. Auch hier sitzen Studierendenvertreter, die von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen können. Mit dem finalen Beschluss ist die letzte Hürde genommen.

Aber: erst wenn ein Lehramtsstudienplan an allen Hochschulen im Cluster Mitte beschlossen wurde, kann er auch als Verbundsstudienplan in Kraft treten.

Eine Mammutaufgabe für unbezahlte ehrenamtliche Studienvertreter

Wie man aus diesem Prozess bereits herauslesen kann, ist alleine der Entstehungsverlauf schon sehr komplex. Hinzu kommt, dass viele Sitzungen im Cluster abwechselnd in Linz und Salzburg stattfinden. Während also in einem Fachstudium die STV in 3-5 Sitzungen geht, um einen neuen Studienplan entstehen zu lassen, sind es für uns mit den über 20 Arbeitsgruppen bereits annähernd 100 Sitzungen, bis ein neuer Studienplan auch nur als Entwurf fertig ist. Gleichzeitig müssen wir unsere Arbeit auch mit STV- und ÖH Kollegen aus den anderen Hochschulen koordinieren, inhaltlich hochschulübergreifend arbeiten und gemeinsame Positionen festlegen. All dies machen wir ehrenamtlich und unbezahlt.

Aktuell laufen die Planungen und Vorbereitungen für die nächste Studienplanüberarbeitung im Lehramt (keine Sorge: wie du bereits gelesen hast, der Prozess zieht sich über Jahre). Die ÖH Wahl entscheidet also auch darüber, welches STV Team du für diese Aufgabe wählst.

Auch wenn diese Arbeit nicht ‘sexy’ ist, so prägt sie dein Studium oder das Studium der nächsten Studierendengeneration auf Jahre. Und gerade im Lehramt nimmt dies, neben Beratung, einen großen Teil unserer STV Arbeit in Anspruch. Daher: bitte geh vom 18.-20. Mai wählen. Deine Stimme entscheidet und motiviert das nächste Team, das sich dann über 2 Jahre dieser unsichtbaren Arbeit widmet, für die es wenig Applaus oder Lob gibt – sondern höchstens hitzige Diskussionen mit Professoren und Rektoraten.

APRILSCHERZ – Lehramtsstudium Cluster Mitte mit dem Ars Confusio durch das Wissenschaftsministerium ausgezeichnet

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Neben dem jährlich vergebenen Ars docendi für herausragende Lehre wird seit diesem Jahr auch der neue Ars Confusio Preis vergeben. Damit reagiert das Ministerium auf herausfordernde Lebensrealitäten, für die die Hochschulen vorbereiten sollen. Erster Preisträger der prestigeträchtigen Auszeichnung für hochgradig verwirrende Studiensysteme ist dabei das Lehramt-Verbundsstudium Salzburg-Linz.

„Verwirrende Studiensysteme, überlange Studienpläne, hochkompliziertes Studienrecht im Verbundsstudium, Pendelzwang und Kursvoraussetzungen – damit kann auch eine Universität Absolventen auf eine zunehmend komplexere Welt vorbereiten, bzw. zwingt sie sogar dazu. Das Lehramt Cluster Mitte hat diese Art der Lebenskompetenzvermittlung vorbildlich umgesetzt“, lobt Minister Faßmann die Anstrengungen im Verbundsstudium.

Die Jury betont dabei aber, dass nicht nur die langfristigen Rahmenbedingungen verwirrend sind, sondern die Hochschulen laufend Anstrengungen unternehmen, den Grad der Verwirrung hochzuhalten. „Gerade die Steine, die die Hochschulen bei Anerkennungen von Schulpraxis den Studierenden in den Weg legen, aber auch die konstanten Änderungen für die Betreuung von Bachelorarbeiten in bestimmten Fächern (z.B. Geographie, Englisch, Deutsch), die rechtlich ungeklärte Lage beim Vorziehen von Masterlehrveranstaltungen im Verbund, der fehlende Datenaustausch bei Prüfungsergebnissen im Cluster und natürlich auch der Lehramtsstudienplan 2013, mit dem man am Ende nicht an Schulen unterrichten durfte, zeugen von einem systematischem und konstanten Ideenfluss, bei dem es nie langweilig wird“, führt die Jury aus.

Verwirrt zeigt man sich über die Auszeichnung an der Uni Salzburg: „Ein verwirrendes Studiensystem war nicht unser Ziel; aber vielleicht haben wir hier auch wahrlich interdisziplinär und zukunftsweisend gehandelt und nicht nur Studierende, sondern auch uns selbst verwirrt?“

Erfreut zeigen sich die Lehramtsvertretungen im Cluster. „Wir haben schon immer gesagt, dass das Studiensystem verwirrend ist. Lange Zeit waren wir selbst so verwirrt, dass wir das System entwirren wollten – weil wir nicht verstanden haben, dass eigentlich ganz andere Kompetenzen im Vordergrund stehen, die zukünftige Lehrkräfte auf verwirrende Zeiten im österreichischen Schulsystem vorbereiten sollen. Der Ars Confusio bestätigt nun zumindest unsere langjährige Beobachtung.“

Der nächste Ars Confusio wird nächstes Jahr erneut am 1. April vergeben, sodass er auf keinen Fall als Satire verkannt wird.

Das neue Unterrichtsfach Ethik

Am 22.03. fand die erste Vorstellung des geplanten Unterrichtsfaches Ethik statt, welches mit Oktober 2021 nach jetzigem Stand starten soll. Alle Informationen bis zur vollständigen Entscheidung durch alle relevanten studienrechtlichen Gremien sind unter Vorbehalt.

Der Link zum digitalen Stream der Veranstaltung ist hier zu finden.

Der Link zur digitalen Infobroschüre (mit Übersicht aller geplanten Curriculumsinhalte) gibt es hier.

Q&A aus den bisherigen Fragen heraus:

  1. Wenn sich Pflichtkurse in Ethik überschneiden mit Pflichtkursen aus dem zweiten Unterrichtsfach (z.B. PP oder Kath. Religion), was ist zu tun?
    In Ethik wird es eine Liste an Kompensationskursen geben, die dann alternativ gemacht werden müssen. Eine Studienleistung kann grundsätzlich nur zur Abdeckung eines Punktes im Studienplan genutzt werden, nicht für zwei Punkte (oder in 2 Studienfächern). Die genaue Liste wird erst in Zukunft (im Rahmen der Lehrplanung) bekanntgegeben. Aber: inhaltlich nahestehende Studien erlauben keine Abkürzungen der Studienzeit, sondern letztlich müssen weiterhin 240 ECTS im Bachelor wirklich gemacht werden. Das selbe gilt bei Ethik als Erweiterungsstudien, hier ist keine Anerkennung aus dem Hauptstudium möglich, sondern alle Kurse (oder Ersatzkurse) müssen gemacht werden.
  2. Wie verhält es sich mit Anerkennungen und Kompensationsliste unterschiedlich zwischen Erweiterungsstudium und Fachwechsel?
    Wenn man ein Erweiterungsstudium Ethik macht, braucht es die oben genannten Kompensationen in allen Fächern, wo ein Pflichtfach (z.B. im Bereich Philosophie) sich zwischen PP und Ethik überschneidet. Das Erweiterungsstudium Ethik kann in diesem Fall nur beendet werden, wenn das Hauptstudium abgeschlossen ist/wurde. Wenn man PP aufgibt (also das UF wechselt), können überschneidende Kurse aus PP für Ethik anerkannt werden (wenn man später doch noch PP z.B. als Erweiterungsstudium machen will, müsste man dort alternative Lehrveranstaltungen nehmen). Weitere Infos zum Thema Erweiterungsstudium und UF-Wechsel
  3. Wenn ich eines meiner Unterrichtsfächer wechseln möchte und stattdessen Ethik nehme, was gilt es zu beachten?
    Das UF Ethik startet im Oktober 2021 mit den Lehrveranstaltungen des 1. Semesters. Ein schnelleres Studieren (selbst wenn man mit dem 2. UF bereits fertig ist) ist daher nicht möglich, da erst nach 8 Semestern die Lehrveranstaltungen des 8. Semesters angeboten werden.
  4. Wie sind die Berufsaussichten in Ethik?
    Das Unterrichtsfach Ethik ist gerade erst aus dem Schulversuch in den Regelbetrieb überführt – und die Frage nach einem Ausbau z.B. für Unterstufe ist noch nicht letztlich beantwortet. Auch hängt die Nachfrage an Ethik auch davon ab, wieviele Schülerinnen und Schüler sich künftig für Ethik (bzw. konfessionellen Religionsunterricht) entscheiden. Prognosen sind daher schwer für die nächsten Jahrzehnte bereits jetzt abzugeben. Keinesfalls sollte man aber davon ausgehen, dass Ethik ein absoluter Joker bei der Anstellbarkeit ist oder sein wird, da bereits über die Lehrgänge der Pädagogischen Hochschulen im Schnellverfahren (basierend auf ECTS) Ethiklehrerinnen und Ethiklehrer ausgebildet wurden.
  5. Gibt es ein Aufnahmeverfahren für Ethik?
    Für Studienanfänger gibt es nur das ‘normale’ Aufnahmeverfahren für Lehramt allgemein. Wer bereits im Studium ist, kann einfach das Fach inskribieren. Auch Lateinpflicht gibt es in Ethik nicht, bzw. ist Latein nicht im Studium nachzuholen.
  6. Wo kann Ethik studiert werden?
    Ethik wird in Salzburg und Linz angeboten (eine volle Abdeckung ist an beiden Standorten geplant, aber wir können hier keine Garantie so früh vor dem Studienbeginn geben), Wahlpflichtfächer (bzw. auch die sehr unterschiedlichen alternativen LV-Typen, die im Studienplan oft ausgewiesen werden) können sich standortspezifisch unterscheiden.
  7. Kann ich stattdessen nicht einfach den Ethik Lehrgang an einer Pädagogischen Hochschule aus der Fort- und Weiterbildung belegen?
    Der Lehrgang an PHs steht nur Lehrpersonen mit mind. 5 Jahren Berufserfahrung und aktivem Dienstverhältnis offen. Mittelfristig wird das reguläre Lehramtsstudium die primäre Ausbildungsschiene für Ethik-Lehrer. Wir können nicht sagen, wie lange der Lehrgang an PHs, bzw. wie lange und mit welchem Platzkontingent angeboten wird – dies ist letztlich eine bildungspolitische Entscheidung im Ministerium.
  8. Was war uns als STV im Entstehungsprozess des Studienplans wichtig?
    Als STV waren wir beim Entstehungsprozess des Studienplans von Anfang an dabei. Hier wollen wir uns für die konstruktive Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe bedanken. Uns waren einige Aspekte wichtig, die in den Studienplan einfließen konnten: keine Kursvoraussetzungen für Lehrveranstaltungen (wohl aber Empfehlungen), breite Wahl wo die Bachelorarbeit geschrieben werden kann, keine unnötige Bachelorprüfung am Ende, möglichst klare Regelungen auch im Wahlpflichtbereich (mit einem breiten Angebot aus verschiedenen Bereichen).

Bewerbungsfrist für Studienassistenz-Stellen an der Universität Salzburg (für das SoSe 2021)

Aktuell läuft die Bewerbungsfrist der Studienassistenzstellen an der Universität Salzburg. Deine Bewerbung kannst du noch bis 06.01.2021 (Posteingang) an die Leitung am jeweiligen Fachbereich schicken: Studienerfolgsnachweis, Motivationsschreiben und Lebenslauf müssen enthalten sein.

An folgenden Fachbereichen gibt es Studienassistenzstellen, die genaue Aufteilung der Studienassistenzstunden auf einzelne Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche machen aber die Fachbereiche intern:

https://im.sbg.ac.at/display/MIT?preview=/165741160/179341936/mb2020-1216-studienass.pdf


Hier ein Radiointerview mit Maximilian Wagner zu Studienassistenzstellen:

Interview zum Thema Studienassistenz

Abberufungsantrag gegen den Rektor – und warum politisches Framing und Trump-Rhetorik jetzt gar nicht hilft

Dies ist ein Kommentar zur aktuellen öffentlichen Debatte. Einen ausführlichen Artikel über die Hintergründe zum Abberufungsantrag hat die Uni:Press verfasst.

Die Metapher ist oft genug beschworen worden: seit letzter Woche gehen die Wogen an der Uni (bzw. daheim in Home-Office und in WG-Arbeitszimmern) hoch, denn wie die Medien berichteten, ist ein anonymer USB-Stick an mehrere Stellen verteilt worden, wo auf 40 Seiten angebliche Verfehlungen des Rektors der PLUS aufgezeigt werden sollen (Anm: wir kennen das Schreiben im Original bisher nicht). Auffällig ist nun aber der öffentliche Diskurs:

Es erinnert doch ein wenig an Trump und die USA, wenn der Gegenwind, der dem Rektorat nun entgegenkommt, als Wiederstand von ‚verkrusteten und überalterten Strukturen‘ oder als Gegenbewegung gegen ‘gute und dringend notwendige Reformen‘ abgetan wird. Also angeblich reaktionäres Geschrei einer alten Elite, die nur Pfründe und Kleingärten sichern will gegen ein ‚modernes und visionsreiches Rektorat‘. Anstatt also konkret über Sinn und Unsinn von – zum jetzigen Zeitpunkt als budgetneutrale (!) Umgestaltungen auf dem Papier geplante – Reformen zu diskutieren, wird hier schnell eine ungerechtfertigte Debatte von ‚Modernisierungswillen‘ vs. ‚verängstigtes Establishment‘ geframed.

Das Überschreien von Visionslosigkeit?

Bis jetzt erscheinen die vorgelegten Umstrukturierungen vor allem eines zu sein: neumoderne Schlagwortansammlungen, bedeutungsleere Worthülsen und fragliche Umstrukturierungen auf dem Papier. Wenn man in den aktuell vorliegenden Entwürfen zum Organisationsplan (Anm: hier werden Strukturen, Fachbereiche und Gremien definiert) herauslesen möchte, wie künftig z.B. die School of Education organisiert ist, oder welche Aufgabe sie im Rahmen des Lehramtsstudiums übernimmt, bekommt auf diese Frage keine Antwort, denn Antworten werden im bisherigen Entwurf gar nicht erst gegeben. Ob Teilbereiche wie die Bildungswissenschaften nun in die Erziehungswissenschaft eingegliedert werden geht aus dem Papier ebenso wenig hervor. Dafür werden bedeutungsleere Buzzword-Bereiche wie „Lebenswissenschaften“ geschaffen – ein Euphemismus für das Pürieren etablierter Forschungs- und Fachbereiche wie Biologie & Geographie.

Schlimmer wird es dann im jetzt vorliegenden Entwurf des Entwicklungsplans zum Thema Lehramt (Anm: hier werden die geplanten Weiterentwicklungen der Universität für die nächsten Jahre ausgeführt). Neben konstatiertem fraglichem Eigenlob (‚Exzellenz‘ in allen Bereichen des Lehramts; angebliches ‚Auffangen‘ des Studierendenrückgangs) werden vage Ziele wie ‚Optimierung der Organisation‘ des Lehramtsstudiums genannt, selbstverständlich ohne den Hauch einer Andeutung, wo und wie dies passieren sollen. Es sollen „Maßnahmen zur besseren Studierbarkeit“ ergriffen werden: auch hier ohne irgendeine konkrete Idee. Und selbstverständlich sei im Lehramt auch das öffentliche Image des Lehrerberufs schuld, für das man nichts könne.

Und genau solche Aspekte sind der Grund, warum am Ende der Eindruck bleibt: die Visionslosigkeit wird hier mit Worthülsen und Begriffen überschrien, die Strukturreform bleibt (neben dem realen kruden Pürieren etablierter Wissenschafts- bzw. Fachbereiche in hippe Begriffssmoothies) in vielen Bereichen eine vage Silhouette (oder lässt sich hier das Rektorat möglichst viel offen, um auch hier autoritäre Eigenentscheidungen treffen zu können?), die verschobenen Nachbesetzungen, Budgetkürzungen über viele Bereiche hinweg und Stellenkürzungen in wichtigen Bereichen (z.B. bei den Studienassistenten) sind hingegen real.

Genug mit dem politischen Framing

All diese Feinheiten gehen häufig im öffentlichen Diskurs verloren. Dies sieht man an den veröffentlichten Leserbriefen, die in bester Manier von Trump-Unterstützern Rektor Lehnert zujubeln, dass ein Aufschrei vom angeblichen Establishment der Uni letztlich den Kurs des Rektors vollends bestätige. Auch manch ehemalige Absolventen und Professoren der Uni lassen sich auf dieses eindimensionale Framing ein, wie zuletzt Prof. Franz Neubauer (Geologie) in den SN: „Nun hat Rektor Hendrik Lehnert eine klare Außensicht eingebracht, möchte mit seinem Team Innovation stärken, lange verschleppte Probleme bereinigen und die Universität auf die Zukunft ausrichten.“

Dem muss klar erwidert werden: die jetzt vorgelegten Entwürfe sind keineswegs Garant, Indikator oder Anreiz für mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit! Das Einrichten neuer Püree-Fachbereiche wird weder Forschungsleistungen oder Drittmittelakquise steigern, noch künftige Studierende in Scharen anlocken. Dass nicht einmal Ansätze (!) für Lösungen sehr konkreter Probleme (z.B. im Lehramt) im Entwicklungsplan benannt werden können, geschweige denn zukunftsträchtige Entwicklungen wie beispielswiese zum Teil berufsbegleitende Lehramtsstudien, MOOCs, oder Hybridlehre als Lösung für Pendelzwang zwischen Linz/Salzburg konkret angesprochen werden, spricht Bände.

Dann reden wir drüber. Oder etwa nicht?

Am Ende sollte man darüber reden. Das Rektorat wird nicht müde, seit Amtsantritt vor einem Jahr bei jedem Aspekt ständig auf baldige Gespräche, umfangreiche Dialoge und breite Partizipation zu verweisen. 

Die Realität ist inzwischen aber klar geworden: Gespräche werden höchstens als Vortrag einseitig geführt, oft zu spät, oft zu kurz, und ebenfalls oft gar nicht.

Gleichzeitig hat das Rektorat aber nun schon mehrfach sehr kindische Züge an den Tag gelegt: die ÖH wird aus dem Corona-Krisenstab der Universität geworfen, weil man sich zum Abberufungsantrag äußert. Die STV Lehramt wird mehr als aktiv aus der Task-Force Lehramt ausgeladen (bzw. nie eingeladen), weil man sich kritisch zu Problemen im Lehramt-Studium äußert. Ähnlich geht es aber auch anderen Fachbereichen, Gremien, Mitarbeitern in ihren Bereichen… mit der Kommunikation will es also einfach bisher nicht klappen mit dem Rektorat und der latente Eindruck von Retaliation durch das Rektorat bei jeglicher Kritik bleibt – und ist wohl der Grund, warum diverse Medien ständig ein „Klima der Angst“ unter Mitarbeitern konstatieren.

Kriterien für die Anerkennung von Pädagogisch Praktischen Studien – Praktikum

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Bachelorstudium  

Modul 2: Einführungspraktikum A und B: Tätigkeiten im schulischen Kontext, z.B.

Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe in einem Institut, Tätigkeit in Musikschule (Anstellung oder Werkvertrag) … im Ausmaß von 45 – 50 Stunden (2ECTS-AP) 

Modul 4: Praktikum A und B: Unterrichtstätigkeit im Fach im Ausmaß von 3 Stunden / Woche in einem Semester 

Modul 5: Vertiefungspraktikum A und B: Unterrichtstätigkeit im Fach im Ausmaß von 3 Stunden/ Woche in einem Semester 

Eines der 4 Praktika aus den Modulen 4 und 5 kann auch durch fachfremden Unterricht anerkannt werden. 

Ein Praktikum im Fach inkl. bildungswissenschaftlicher Begleitung im BW 5 kann durch ein Themenmodul (spezielles PLUS-Angebot) anerkannt werden (interne Anerkennung). In diesem Fall sind die anderen 3 Praktika aus den Modulen 4 und 5 in den Fächern/Spezialisierung zu belegen.  

Masterstudium  

BW M 6.1 Masterpraktikum (Teil der PPS) inkl. Bildungswissenschaftliche Begleitung (20 ECTS)  „20 ECTS-Variante“ 

(Unterrichts)Tätigkeit im äquivalenten Ausmaß von min. 10 Stunden / Woche für die Dauer eines Schulsemesters oder 5 Stunden / Woche in zwei Schulsemestern im schulischen Kontext, inkl. Mitarbeit in Schulorganisation und außerunterrichtlichen Tätigkeiten, eine Begleitung der Tätigkeit muss gegeben sein, z.B. Begleitung in der Induktionsphase, Mentoring, Begleitung durch

Dienstgeber, Angebote der Hochschulen. Sollten keine Begleitangebote im Rahmen der Anstellung gegeben sein, dann ist die BW Begleitung an einer anbietenden Institution im Cluster zu belegen. 

BW M 6.2.1 Praxiserfahrungen in pädagogischen Feldern inkl. bildungswissenschaftliche Begleitung (3 ECTS) – „3 ECTS-Variante“ 

(Unterrichts)Tätigkeit im Ausmaß von min. 3 Stunden / Woche für die Dauer eines Semesters im schulischen Kontext 

Anerkannte Praxisfelder für beide Varianten:  

  • Unterrichtstätigkeit (überwiegender (= mehr als 50%) Teil des Unterrichts muss in einem der studierten Fächer erfolgen) 
  • Projekte der Partnerinstitutionen im Cluster Mitte in Absprache (Zustimmung) mit dem jeweiligen PPs-Zentrum am Standort z.B.  

Bildungslabore (PLUS) Linzer Projekt Praxissemester 

  • Sprachassistenz bzw. Unterricht im Ausland im erforderlichen Ausmaß (auch fachfremd) 
  • Mitarbeit bei schulischen Projekten im Bereich der studierten Fächer und Lehrplankontext der Schule unter Einbezug von Schüler/innenkontakt 

Nicht anerkannt werden z.B.:  

  • Mitarbeit in Vereinen (Feuerwehr, Rettung, Musik, Sport) 
  • Nachmittagsbetreuung 
  • Nachhilfe 

Wenn Studierende ein Praxisfeld wählen, dass durch diese Aufzählungen nicht abgedeckt ist, wird empfohlen, vor Absolvierung die Zustimmung für die Anerkennung einzuholen. 

Außerschulischen Tätigkeiten können im Rahmen der im Masterstudien vorgesehenen freien Wahlfächer (4 ECTS-AP) oder im Rahmen des kleinen Praktikums der im Modul BW M 6.2.3 vorgesehenen freien Wahlfächer (8 ECTS-AP) zur Anerkennung vorgelegt werden. 

Induktionsphase 

Induktionsphase wird als Praktikum für Masterstudierende der Sekundarstufe Allgemeinbildung nur dann angerechnet, wenn das erforderliche Ausmaß (siehe oben) in der Sekundarstufe gegeben ist.