Neueste Beiträge

Ein Unterrichtsfach wechseln? Das gilt es zu beachten! (Updated 2022)

0

Wichtig: Die Regelungen sind teils komplex, daher den Artikel bitte zur Gänze und genau lesen. Bei Fragen und Unklarheiten bitte unbedingt mit uns vorher Kontakt aufnehmen: stv.lehramt@lehramt-salzburg.at

Was ist bei einem Fächerwechsel im Lehramt zu beachten?

Du bist mit einem deiner Fächer unzufrieden und möchtest es durch ein anderes ersetzen?

In diesem Artikel erklären wir dir, worauf du achten musst, wann du wechseln kannst und natürlich wie du dich für das neue Fach einschreiben kannst.

Was muss ich vor dem Wechsel bedenken?

An und für sich stellt ein Fächer- oder Studienwechsel kein großes Problem dar, aber es gibt einige Punkte, welche man beachten muss:

  • Anmeldungen zu Kursen: Wenn du zum Beispiel die Fächerkombination Geschichte und Deutsch studierst und von Geschichte auf Chemie wechseln willst, wird dein Studium „Bachelor Lehramt UF Deutsch, UF Geschichte“ geschlossen und das neue Studium „Bachelor Lehramt UF deutsch, UF Chemie“ geöffnet. Dadurch verfallen etwaige Anmeldungen zu Lehrveranstaltungen, was etwa bei Proseminaren mit begrenzter Teilnehmer/innenzahl problematisch sein kann. Am besten sprichst du in einem solchen Fall vorher mit der betreffenden LV- Leitung und schilderst deine Situation, einige Lehrende zeigen sich hier kulant.
  • Eintragung von Noten aus dem vorherigen Semester: ein Wechsel ist erst dann möglich, wenn alle Noten und Leistungen aus dem vergangenen Semester eingetragen sind. Bedenke: dein altes Studium wird geschlossen und in ein geschlossenes Studium können keine Leistungen mehr eingetragen werden. Das betrifft sowohl prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen wie Übungen/Proseminare etc. als auch Vorlesungsprüfungen, die du gerade erst geschrieben hast.
  • Anmeldungen zu Prüfungen: Analog zu Kursanmeldungen verfallen auch die Anmeldungen zu Prüfungsterminen. Dies kann bei Nichtbeachtung zu einem wirklichen Problem werden. Angenommen, du hast dich für das Sommersemester 2021 ins neue Studium inskribiert und möchtest noch eine Prüfung für eine Lehrveranstaltung aus dem Wintersemester 2020/21 schreiben. PLUSonline wird dies nicht zulassen und dir melden, dass das Studium im betroffenen Semester nicht gemeldet war. Hier gibt es keine Kulanzlösungen, daher gilt es, vor dem Umstieg alle nötigen Prüfungen zu absolvieren.
  • STEOP: Um die Noten deiner Kurse eingetragen bekommen zu können, musst du vorher die sogenannte Studieneingangs- und Orientierungsphase vollständig bestehen. Vollständig heißt, dass du sowohl in den Bildungswissenschaften, als auch in deinen zwei Fächern die STEOP positiv absolviert haben musst. Im aktuellen Lehramtstudienplan 2016 dürfen bis zu 22 ECTS vorgezogen werden (in manchen Fächern ist aber eingeschränkt, bei welchen Kursen das möglich ist), ABER: zu den 22 ECTS zählen sämtliche Anmeldungen zu prüfungsimmanenten Kursen und Anmeldungen zu Vorlesungsprüfungen (nicht aber Anmeldungen zu Vorlesungen selbst), die nicht Teil der STEOP sind. Ebenfalls dazu zählen bereits absolvierte Prüfungen. Diese 22 ECTS sind also einmal aufgebraucht, und dann sind bis zum Bestehen der STEOP keine weiteren Kursanmeldungen/Prüfungsanmeldungen mehr möglich. Einen ausführlichen Artikel zur STEOP- Problematik findest du hier (https://lehramt-salzburg.at/blog/2017/01/18/stolperfalle-steop-alle-regelungen-im-detail-erklaert/).
    ACHTUNG: Im Lehramt werden die STEOP Lehrveranstaltungen nur im Wintersemester angeboten. Mehr dazu unter den „Tipps und Tricks“ weiter unten.
  • Studienbeihilfe: Bezieher/innen von Studienbeihilfe sollten sich vor dem Wechsel mit der für sie zuständigen Stipendienstelle in Verbindung setzen und abklären, wie sie den Wechsel am besten abwickeln können. Generell gilt, dass man zwei Mal nach jeweils zwei Semestern das Studium wechseln darf. Um für das neue Studium Beihilfe zu bekommen, muss man aber für das alte Studium einen positiven Studienerfolg (=30 ECTS für Studienbeihilfe im ersten Jahr, 16 ECTS für Familienbeihilfe im ersten Jahr) nachweisen.
  • Fristen: Es gelten die regulären Zulassungsfristen (5. Juli- 31. Oktober; Anfang Jänner- 31. März) für den Wechsel eines Unterrichtsfaches.

Wie wechsle ich ein Unterrichtsfach im Lehramtstudium?

Wenn du bereits an der Universität Salzburg inskribiert bist, kannst du deinen Fächerwechsel entweder persönlich oder per Mail bekanntgeben. Die Serviceeinrichtung befindet sich in der Kapitelgasse 4, die Öffnungs- und Kontaktzeiten findest du hier (https://www.plus.ac.at/studium/studienangebot/studienabteilung/oeffnungszeiten-u-kontakt/). Du kannst persönlich hingehen und erklären, für welches Studium/ welche Studien du inskribiert bist und was du genau ändern möchtest. Wichtig: Nimm deinen Studierendenausweis mit.

Bei Mails gilt: Es werden nur jene bearbeitet, die von einer @stud.sbg.ac.at- Adresse geschickt wurden. Schicke eine Mail an studium@sbg.ac.at. Folgende Daten sollten enthalten sein:

  • voller Name laut Studierendenausweis
  • Matrikelnummer
  • Geburtsdatum
  • inskribiertes Studium, beziehungsweise Studien
  • gewünschte Änderungen

Nicht hinein gehören Erklärungen, warum du wechselst oder Fragen das Studium betreffend.

Nach dem Studienwechsel

Nach dem Wechsel musst du die Leistungen aus dem Vorstudium per Anerkennungsbescheid in das neue Studium übertragen. Das kannst du selbst über PLUSonline machen, wie genau, erfährst du hier.

Da du nach einem Fächerwechsel im Lehramt die STEOP nicht (mehr) vollständig ist, weil du diese auch für dein neu-gewähltes Fach brauchst, solltest du zu Beginn nur die Kurse anerkennen anerkennen lassen, die z.B. Voraussetzung für Folgekurse sind – aber nicht alles. Anerkennungen zählen nämlich in die 22 ECTS, die du vor der Absolvierung der gesamten STEOP vorziehen dürftest.

Tipps und Tricks:

Ein Studienwechsel im Lehramt ist zwar von außen betrachtet einfach, aber es gibt einige Fallstricke – besonders die STEOP und deren Konsequenzen machen Probleme.

Der Idealfall beim Wechseln ist folgender:

  • Du stellst relativ früh im Wintersemester fest, dass dir eines deiner Unterrichtsfächer nicht gefällt. Du weißt, welches andere Unterrichtsfach du stattdessen studieren willst und schreibst direkt im Wintersemester die STEOP Prüfungen für Bildungswissenschaften, dein neues Wunsch-Unterrichtsfach und für das, welches du behältst. Im Februar (idealerweise vor der Kursanmeldung) wechselst du und hast für deine neue Fächerkombination direkt schon die STEOP absolviert. Alle Leistungen aus dem Wintersemester schließt du daher sehr schnell vor dem Studienwechsel bereits ab, da alle Leistungen/Noten eingetragen sein müssen, um den Studienwechsel vornehmen zu können.
  • Der Wechsel im Februar zwischen Winter- und Sommersemester ist sehr knapp, vor allem mit Noteneintragung. Der Sommer (Juli-September) ist hier weit besser geeignet. Du kannst bereits im Sommersemester aus deinem neuen (auf das du bald wechselst) Unterrichtsfach Kurse belegen, die STEOP absolvieren, sodass du hier relativ reibungslos wechseln kannst ohne große Zeitverluste. Wichtig: In diesem Fall musst du die STEOP in deinen beiden Unterrichtsfächern machen UND ZUSÄTZLICH die STEOP in dem Fach, auf das du wechseln willst. Nur das gewährleistet reibungsloses Wechseln.
  • Bestehende Leistungen aus dem ‘abgewählten’ Unterrichtsfach können für die Abdeckung der freien Wahlfächer (im Bachelor- und Masterstudium) genutzt werden.

Wenn es nicht wie im Idealfall beschrieben geht:

  • Fachstudium inskribieren: manchmal überschneiden sich Kurse zwischen Fach- und Lehramtsstudium. Du kannst also zum Beispiel das Fachstudium Germanistik inskribieren, wenn du planst, auf das Unterrichtsfach Deutsch zu wechseln und so schon vorher Kurse belegen. Auch hier: die STEOP Regelung muss beachtet werden (was bedeutet, dass du zusätzliche STEOP LVen belegen musst), jedoch gibt es in den BA-Fachstudien auch im Sommersemester STEOP Vorlesungen, sodass du diese direkt im Sommersemester auch abschließen kannst. Diese kannst du dann auch im Lehramt als freie Wahlfächer verwenden.
  • Du kannst in deinem aktuellen Studium bleiben und die STEOP dort vollständig abschließen, ab dann aber Kurse und Prüfungen aus dem Unterrichtsfach belegen, auf welches du (z.B. nach dem nächsten Wintersemester und nach Abschluss der STEOP für das neue Fach) wechseln willst. Nachteil: bei Kursen mit begrenzter Teilnehmer/innenanzahl (z.B. PS, UE) wirst du mitunter Studierenden, die für dieses Fach inskribiert sind, hintangestellt. Außerdem verfällt die Beihilfenbezugsberechtigung bei einem Wechsel nach dem 3. Semester (insofern du Studien- oder Familienbeihilfe beziehst).

Unsere Presseaussendung: Polaschek lässt Lehramtsstudierende ratlos und verunsichert zurück

0

Vage Reformankündigungen könnten derzeit schon akuten Lehrermangel durch unzählige offene Fragen sogar noch verschärfen

Nach der vorschnellen Ankündigung am Freitag, nun auch das Sekundarstudium verkürzen zu wollen, lässt Minister Polaschek tausende Lehramtsstudierende ratlos und verunsichert zurück. Ein solch heftiger Umbau der Studienstruktur bedeutet massive Änderungen für jetzige Studierende, die aber jetzt Antworten bräuchten. Wer möchte denn in einem bereits obsoleten und überlangen Studiensystem überhaupt noch Lehramt beginnen oder weiterstudieren? Welche Antworten hat Minister Polaschek für diejenigen, die nun scheinbar umsonst zu lange studieren mussten? Und wie stellt sich der Minister überhaupt ein berufsbegleitendes Studiensystem vor? Angesichts des akuten Lehrermangels müsste man ordentliche Antworten liefern, anstatt durch vorschnelle Ankündigungen alle vor den Kopf zu stoßen. Einzig positiver Aspekt: trotz monatelangem Abwiegeln hat der Minister endlich eingesehen, dass das jetzige Studiensystem wirklich zu lange war – worauf die ÖH bereits seit Jahren mit Nachdruck hingewiesen hat.

„Minister Polaschek betreibt leider schon wieder Bildungspolitik mit der Brechstange: es wird beiläufig eine Ankündigung ohne weitere Details fallen gelassen und Studierende bleiben verunsichert zurück. Wir befürchten, dass Lehramtszahlen erneut einbrechen, denn Minister Polaschek hat das aktuelle Studiensystem hiermit für tot erklärt. Neue Studienpläne und die reale Verkürzung werden Jahre dauern“, kommentiert Maximilian Wagner aus dem Vorsitzteam der Hochschulvertretung der PH Salzburg die Ankündigung des Ministers.

„Die langjährige ÖH-Forderung nach einer Verkürzung des Lehramtsstudium ist endlich im Ministerium angekommen. Trotzdem können wir dem Minister nur raten, schnellstmöglich Schadensbegrenzung zu betreiben, da seine Ankündigung massive Verunsicherungen ausgelöst hat. Wir setzen uns gerne mit dem Minister an einen Tisch, um jetzt ein handfestes und studierendenfreundliches Umstellungspaket zu schnüren, denn das schuldet der Minister den aktuellen Lehramtsstudierenden“, ergänzt Matthias Hörzi, Vorsitzender der Studienvertretung Sekundarstufe der PH Oberösterreich.

Sollte der Minister nicht schnellstmöglich Antworten liefern, wird der Lehrermangel – trotz Reformankündigung – ungebremst weitergehen. 

Lehramtstudium und ein drittes Unterrichtsfach – das Erweiterungsstudium (Updated 2022)

0
Das Lehramtsstudium besteht aktuell an den Universitäten immer zwangsläufig aus zwei Unterrichtsfächern – es ist ein kombinationspflichtiges Studium. Da ab Oktober 2016 an den PHs das alte NMS-System (mit eingeschränkter Wahlmöglichkeit bei den Fächerkombinationen) wegfällt, gilt dies nun auch für das neue BA-Studium für NMS/AHS/BHS – an den Unis wie an den Pädagogischen Hochschulen. Bei der Inskription müssen, wie auch schon vorher im Diplom-Lehramt, also die beiden Unterrichtsfächer genannt werden, für die man später auch die Berufsberechtigung mit dem Studienabschluss erwerben möchte. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass vielleicht auch ein drittes Unterrichtsfach interessant scheint – und ein breiteres Berufsprofil kann niemals schaden. Auch für Absolventen des alten Diplomstudiums kann ein drittes Unterrichtsfach eine sinnvolle fachliche Weiterqualifikation sein.
Dafür gibt es das sogenannte Erweiterungsstudium bei dem ein drittes Unterrichtsfach belegt wird. Wie funktioniert das?

Zuerst die Rahmenbedingungen:

Das Erweiterungsstudium ist nicht eigenständig. Es kann erst aufgenommen werden, wenn man ein reguläres Lehramtsstudium mit 2 Unterrichtsfächern bereits inskribiert oder abgeschlossen hat. Es kann erst abgeschlossen werden, wenn das eigentliche Haupt-Lehramt-Studium mit zwei Unterrichtsfächern abgeschlossen wurde. Wer also im Bachelor-Lehramt ein Erweiterungsstudium dazu nimmt, kann dieses Erweiterungsstudium Bachelor erst abschließen, wenn das eigentliche Haupt-Bachelor-Studium abgeschlossen ist. Selbiges gilt für das MA-Lehramt-Studium: das MA-Erweiterungsfach-Studium kann erst nach dem Abschluss des Hauptstudiums Master Lehramt abgeschlossen werden. Wenn man sich vom Hauptstudium exmatrikuliert, erlischt auch automatisch die Zulassung zum Erweiterungsstudium.
Dafür muss im Erweiterungsstudium keine Masterarbeit geschrieben werden (im Hauptstudium natürlich schon). Bachelorarbeiten, Fachprüfungen und BA- & MA-Prüfungen müssen aber auch im Erweiterungsstudium sein.
Über den Abschluss bekommt man ein BA-/MA-Zeugnis. Der Abschluss des Erweiterungsstudiums berechtigt aber nicht zum führen eines weiteren Titels (kein doppelter Master kann geführt werden).

Inskription des Erweiterungsstudiums

Wie bei jeder zusätzlichen Studieninskription, während man bereits zu einem anderen Studium an der Universität Salzburg zugelassen ist, geht die Inskription zum Erweiterungsstudium ganz einfach per Mail an Studium@sbg.ac.at (muss aber von der @stud-sbg.ac.at. Adresse geschickt sein, Name, Matrikelnummer und genauen Studienwunsch beinhalten)
Ausgenommen von diesem einfachen Verfahren der Inskription eines Erweiterungsstudiums per Mail sind Fächer mit gesondertem Aufnahmeverfahren, z.B. Sport, aber auch am Mozarteum die künstlerischen Fächer. Hier muss das Eignungsverfahren durchlaufen und bestanden werden.

Was ist im Erweiterungsstudium zu absolvieren?

Es muss das gesamte Teilcurriculum des dritten Unterrichtsfaches (Fachwissenschaft + Fachdidaktik) absolviert werden. Seit dem Studienplan 2019 gibt es dafür einen eigenen Anhang im Studienplan, sodass sehr klar ist, welche Kurse und welche Praktika noch zu absolvieren sind.
Wichtig zu beachten: Die Phasen von BA4 und BA5 des Erweiterungsstudiums können nicht parallel zu den BA4 und BA5 Phasen des Hauptstudiums belegt werden. Idealerweise belegt man also BA4 und BA5 für das Erweiterungsstudium frühestens ein Jahr nachdem man die Phasen im Hauptstudium abgeschlossen hat.

Studienende

Das Studienende ist dahingehend analog zum Hauptstudium: mit allen Nachweisen und dem ausgefüllten Prüfungspass geht es zur Prüfungssekretariat der SoE.

Berufszulassung mit BA Lehramt

Vom neuen Dienstrecht ist eine langfristige Anstellung nur mit abgeschlossenem MA Studium möglich. Auch für das dritte Unterrichtsfach braucht man im BA-/MA-System also einen Masterabschluss, um sich dauerhaft für eine Stelle für das Drittfach bewerben zu können oder eine solche Stelle dauerhaft zu haben. Die Alternative wäre, dass man u.U. die ewige Aushilfslehrkraft im dritten Unterrichtsfach ist.

Voranmeldung für Bachelor-Praktikum im 2. Semester (für das kommende Sommersemester 2023)

Die wichtigsten Infos auf einen Blick:

Anmeldemodus:

Die Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen BWB.2-3, BWB.2-4 und BWB.2-5 erfolgt in zwei Schritten über PLUS-Online.

Anmeldephase 1:

Voranmeldung in der LV BWB.2×3 Voranmeldung – Beruf Lehrer/in: Lehrer/innenrolle reflektieren (Teil der PPS) (und für das Einführungspraktikum A + B) im SoSe 2023 in PLUS-Online

Montag, 07.11.2022, 08:30 Uhr bis Mittwoch, 30.11.2022, 23:59 Uhr.

Anmeldephase 2:

Selbständige Anmeldung in die gewünschte Untergruppe von BWB.2-3 Beruf Lehrer/in: Lehrer/innenrolle reflektieren (Teil der PPS) in PLUS-Online

Donnerstag, 26.01.2023, 14:30 Uhr bis Dienstag, 28.02.2023, 23:59 Uhr.

Für das Einführungspraktikum A + B sind Sie dann automatisch mitangemeldet.


Alle weiteren Infos findest du im Info-PDF des ZPPS.

Warum Politik & Hochschule trotz Lehrermangel nicht handeln

Ein Meinungsartikel:
Die Semesterferien haben begonnen, die Schulferien stehen vor der Tür und erneut befinden wir uns in einer großen Diskussion um den Lehrermangel. Besonders spannend sind dabei aber auch die Kommentarspalten auf Social Media, sowie angebliche Experten, die abenteuerliche Erklärungen für die Situation liefern. Daher gibt es zum Semesterferienanfang noch einen kleinen Artikel, was sich in der öffentlichen Debatte gerade so tut und warum es ein Kampf gegen Windmühlen ist, da sich immer (!) noch keine Lösung in Politik und Hochschule abzeichnet.

  1. Gegenstimmen mit “Aber ich spüre noch keinen Mangel”
    Ach, wie hasse ich anekdotische Evidenz. Die letzten 2 Jahre hat das Unsinn-Argument uns schon bei Corona verfolgt: ‘Ich hatte noch kein Corona, daher gibt es kein Corona’… was für ein Unsinn. Der Lehrermangel drückt sich differenziert aus… nicht in allen Fächern, nicht in allen Schulen, nicht in allen Schulen in jedem Jahr, Land-Stadt-differenziert. Klar, die prestigeträchtige Wunsch-AHS mit vielen Bewerbern hat vielleicht keinen Mangel, aber das widerlegt nicht die klare Mathematik der Gesamtsituation. Wir haben das hier schonmal sehr genau aufgeschlüsselt und mit Zahlen belegt.
  2. “Die gestiegene Studiendauer ist gar nicht Schuld”
    Klar ist eine monokausale Zuschreibung in einer komplexen Welt niemals die ganze Wahrheit. Aber: Pensionierungen der Baby-Boomer-Generation waren seit Jahrzehnten absehbar, den Rückgang der Studierendenzahlen konnte man zwar vielleicht nicht prognostizieren aber in Echtzeit beobachten. Seit der Studienreform 2014 sind 8 Jahre und viele Regierungen/Minister ins Land gezogen und niemand hat irgendwas dagegen getan – wem soll man nun die genaue Schuld für das Nicht-Handeln geben? Nur weil wir einem Zugunglück in Zeitlupe zuschauen mussten und über fast ein Jahrzehnt ständig Warnungen in den Wind geschlagen wurden, ändert das aber nichts am Outcome. Und die einzige Lösung ist eine sofortige Verkürzung des Lehramtsstudiums, selbst wenn viele Faktoren in der Vergangenheit uns in diese Situation gebracht haben. Die Verlängerung der Studienzeit hatte am Ende trotzdem den größten strukturellen Einfluss auf die heutige Situation, weil es viele Studierende vom Lehramtsstudium verschreckt hat. Und alle Entwicklungen waren schon lange sichtbar und messbar, wenn man hingeschaut hätte.
  3. “Die Uni macht schon, was in ihrer Macht steht”
    Falsch, einfach falsch. Längst wäre es gesetzlich möglich, den Master in der Sekundarstufe auf 3 Semester zu kürzen. Das wäre wenigstens ein Semester Verkürzung und würde den Master weit berufskompatibler machen (1 Semester ist rechnerisch ja zusätzlich schon für Masterarbeit und Masterprüfung vorgesehen, sodass “nur” 2 Semester inhaltliche LVen übrig bleiben würden). Die STV hat bereits vor Jahren ein fertiges Konzept dafür vorgelegt – es ist also möglich und wäre sehr schnell umsetzbar.
    Stichwort ‘Berufsbegleitendes Studium’: solange wir uns nicht mal eine klare Definition von ‘berufsbegleitend’ an der Uni einigen können (Fachhochschulen machen das ja erst seit Jahrzehnten erfolgreich: Studium von Freitag nachmittag bis Sonntag abend, der Rest digital und asynchron) brauchen wir nicht groß darüber reden. Beim Thema Anwesenheitspflicht hält man weiterhin an der unsinnigen “80% – egal ob 1. Semester Bachelor oder 4. Semester Master” Regel fest, obwohl Anwesenheitspflicht gar nicht gesetzlich verankert oder verpflichtend sein müsste. Nach Corona drehen wir bedingungslos auf Präsenzlehre zurück – Abweichungen sind nicht mehr groß erwünscht oder ermutigt. Studienbeitragserlass durch Berufstätigkeit z.B. im Schuldienst ist immer noch nicht wieder im Gesetz oder an der Uni verankert.
    Nein, die Uni tut keinesfalls ihr Bestes und alles in ihrer Macht stehende. Do not Bullshit us, do not Bullshit the public, do not Bullshit yourself! Sich als Hochschule gleichzeitig öffentlich auf den Lorbeeren von einigen wenigen Lehrenden auszuruhen, die ‘das Richtige’ tun und das Rad der Fernlehre und asynchronen Lehre eben nicht vollständig zurückdrehen – auch gegen Widerstände der Hochschule – ist hingegen einfach nur unehrlich.
  4. “Quereinsteiger werden es richten”
    Lieber Minister, weißt du eigentlich, was du da redest und wie du langfristig dem Lehramt damit schadest? Ich bin mir unklar, ob hier die Verzweiflung oder echte Kurzsichtigkeit spricht. Wenn ein einfaches Fachstudium und 3 Jahre Büroarbeit irgendwo tatsächlich für das Lehrerdasein qualifiziert, warum tun wir uns den ganzen Quatsch mit 6-jährigem Studium und 2 Fächern eigentlich an? Warum Praktika und Bildungswissenschaften, warum Fachdidaktik und Reflexionszwang – 6 Jahre lang?
    Und wen wird man damit anziehen? Den erfolgreichen Diplom-Chemiker, der locker 5-stellig in der freien Wirtschaft pro Monat verdienen kann? Den Physiker, der in der freien Wirtschaft freie Wahl des Arbeitsplatzes hat? Irgendwie bezweifle ich, dass diese Maßnahme genau in den Mangelfächern wirklich helfen wird.
    Und was dann? Was ist die langfristige Perspektive? Wir haben dann formal unterqualifizierte Leute, mit Unterrichtsbefähigung in nur einem Unterrichtsfach langfristig im System. Neben Personen in altem und neuem Dienstrecht, neben 3-jähriger NMS Ausbildung alt, 4,5-jähriger Diplomausbildung alt, 6-jährigem BEd. und MEd. Absolventen? Neben Upgrade-Studien (für 3-jährige PH-Absolventen), Erweiterungsstudium, Berufspädogik, regulärem Studium bauen wir also jetzt noch ein weiteres Modell?
    Hier muss die Verzweiflung sprechen, denn was hier an Schaden und langfristigem Chaos schon wieder angerichtet wird, ist unerträglich.
  5. “Frühere Berufspraxis ist doch eh gut, warum soll Arbeiten während des Studiums schlecht sein”
    Das Studium ist ein Vollzeitstudium und der Bachelor sollte und soll auch nicht zum berufsbegleitenden Studium werden. Leute früh an die Schule zu schicken, im Zweifel zu überfordern in einem personell bereits ausgetrockneten Schulsystem ohne Begleitung, die Chance auf Studienfortschritt der Leidensfähigkeit von Studierenden zu überlassen und bereits nach einem Studienjahr Vollzeitverträge (aber dafür immer schön mit Lohnabschlägen, weil Leistung sich dort zumindest scheinbar doch nicht lohnt?) auszustellen ist nicht die gesunde Art von “Berufspraxis”. Das mag zwar Löcher jetzt und heute stopfen, aber wird garantiert einige vergraulen: Leute vergraulen, die dem Schulsystem nach dem Studium den Rücken kehren, die das Studium ganz abbrechen, die anderen von einem Lehramtsstudium aktiv abraten. Und dann ist da ja noch die Uni: solange Anerkennungen von Berufspraxis so restriktiv gehandhabt werden, wird man für Berufspraxis sogar bestraft, denn Schulpraktika (vormittags) gehen sich garantiert nicht mit Arbeit an einer Schule (vormittags) aus.
    Und im ersten Berufsjahr? Da gibt es zu Arbeit und Studium auch noch Zusatzkurse in der Induktionsphase obendrauf – für eine nette Dreifachbelastung.
  6. Und warum tut die Politik nichts?
    Ich kann diesem Artikel im Standard nur zustimmen: das plötzliche geschäftige ‘Herumwurschteln’ hat leider System; es wirkt geschäftig, gut fürs Selbst-Image, es sieht nach ‘Macher’ aus; ganz egal ob es sich um lange verschleppte und komplett vorhersagbare Probleme handelt. Die langfristig vollkommen schädliche Quereinsteiger-Lösung, plötzlich das Image des Lehrerberufs über eine Werbekampagne aufzumöbeln… dann kann man wieder abwarten und Leute auf das baldige ‘Wirken der Maßnahmen’ vertrösten. Genauso wie eine vor 2 Jahren in Auftrag gegebene Evaluierung der bisherigen Reformen seither sehr erfolgreich benutzt wird, um jede Reform der Induktionsphase und des Studiensystems vom Tisch zu wischen – denn die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Das schützt vor diskussionsintensiven echten Reformen – wie einer Studienzeitverkürzung, einem berufsbegleitenden digitalen Studienmodell.
    Wir wissen, dass es offene Ohren für unsere Vorschläge gibt und wir sind denjenigen in Institutionen und Politik dankbar – ihr seid hier nicht mitgemeint. Aber ihr wisst von den obigen Strategien mancher Verantwortlicher ja selbst gut genug.

Verdammt, ist das manchmal frustrierend. So viele Gespräche beginnen mit ‘virtue signaling’, mit einem ‘bitte wissen Sie, wir wollen nur das Beste für die Studierenden’, nur um damit dann Nichts-Tun und utopische angebliche Qualitätsvorstellungen in einem schon zusammenbrechenden System hochzuhalten als reine Nebelgranate für ein reaktionäres ‘es bleibt alles so wie es ist, denn so wie es immer war, ist es gut’. Wir bewerben als STV genau deshalb keine Stellenausschreibungen von Schulen: wir wollen aktuell, solange die Situation so ist, niemanden in ein mit dem Studium inkompatibles rücksichtsloses System drängen oder diese Option bewerben. Das Schulsystem kümmert sich nicht um euren Studienfortschritt, oder dass ihr dann Studiengebühren zahlen müsst, obwohl ihr der Gesellschaft einen großen Gefallen getan habt. Die Frist für den Masterabschluss nach erstem Dienstvertrag liegt ebenfalls alleine bei euch, und niemand wird euch die Doppelbelastung je danken (abseits vielleicht von Lohnabzügen beim Sondervertrag LOL).


Food for thought: je weniger sich als willige Gehilfen und billiges Füllmaterial für systematische Löcher im Schulsystem zu früh ausbrennen lassen, desto schneller wird sich etwas grundlegend ändern. Je weniger zu früh vom System gefressen werden, desto weniger kann das System mit einem trotzigen ‘was denn, es geht ja noch irgendwie’ die Leute zerkaut irgendwann wieder ausspucken. Desto schneller kann man die Lohnungleichheit bei Sonderverträgen, die zu lange Studiendauer, digitale und berufsbegleitende Studienmodelle, bessere Ausschreibungsverfahren von Stellen, eine Abschaffung von fachfremden Unterrichten, Abschaffung von schädlichen Quereinsteiger-Modellen, frühere Entfristung von Dienstverträgen, Rückerstattung von Studiengebühren und vieles mehr wirklich angehen, fordern und mit Druck erzwingen. Je mehr Druck im System ist, desto sorgfältiger und rücksichtsvoller wird künftig mit euch umgegangen, desto mehr wird man euch künftig entgegenkommen. Ansonsten sind wir nichts anderes als nur ein weiterer Grund in dieser Liste, warum sich in Politik & Hochschule nichts ändert.

Lehramtkurier: Eine ukrainische Studentenvertreterin berichtet aus dem Kriegsgebiet

0

Vorwort von Maximilian Wagner: Während das Sommersemester beginnt, herrschen wenige hundert Kilometer von hier Krieg. Dort gibt es kein Sommersemester mehr, keine Universität, keine Kurse. Ich selbst durfte 2 Jahre die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) auf der europäischen Ebene (ESU) vertreten, und war dort auch immer wieder in engem Kontakt mit den ukrainischen Studierendenvertreterinnen und -vertretern. Die Ukraine ist seit 2008 Teil des Bolognasystems, hat vergleichbare ECTS-Systeme, Hochschulsysteme nach europäischen Standards, entwickelte ihr Bildungssystem für junge Menschen konstant fort. Wir haben uns dort oft über die normalen Probleme an den Hochschulen hier und in der Ukraine unterhalten, gemeinsam an Anträgen geschrieben. Umso schockierender ist nun, dass die selben Personen heute mitten in einem Kriegsgebiet sind, während die Universitäten zerbombt werden und die gesamte Bevölkerung im Land um ihr Leben fürchten muss. Die Bilder und Nachrichten sind schon schlimm, doch persönliche Berichte sind noch viel erschütternder. Der folgende persönliche Bericht einer Kollegin aus der ukrainischen Studierendenvertretung schildert die letzten Tage im Krieg. Spenden- und Hilfsmöglichkeiten sind am Ende des Artikels aufgelistet, falls auch du den Menschen in der Ukraine helfen möchtest.

(Übersetzung aus dem Englischen – ungekürzt – erhalten am 28.02.2022)

Um 6.21 morgens (Kyiv Zeit) weckte mich meine Mutter mit einem Anruf in welchem sie weinte und schmerzvoll schrie. Sie erzählte mir, dass Russland mit der Bombadierung von Kyiv, Kharkiv, Kherson, Mariupol und anderen Städten begonnen habe. Mein Freund und ich waren in Kyiv, daher ist es schwer in Worten auszudrücken, wie meine Mutter sich fühlte und welche Angst sie in diesen Sekunden ergriffen hat. Um ehrlich zu sein, dieser Anruf verfolgt mich bis heute. Ich öffnete Social Media und dass ich schockiert war, wäre eine Untertreibung. Viele Namen schossen mir in den Kopf, Namen von Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten aus unterschiedlichsten Teilen der Ukraine, wo die Bombardierungen und Luftangriffe gerade immer weiter gingen. Wir waren nicht auf einen groß-angelegten Krieg vorbereitet, daher habe ich – nach einer 5-minütigen Panikattacke – alle meine Freunde angeschrieben damit auch sie die Situation verstehen, habe mich angezogen, notwendige Dinge zusammengepackt und wir sind in die Ubahn (Schutzbunker). Angst und Panik machten sich in mir breit, und ich war darüber beschämt, da sich andere Freunde mehr zusammenrissen während ich eher destruktiv wirkte. Was mir am meisten Angst machte war die Ungewissheit, wo die nächste Bombe fallen würde.

Als mein Schock schließlich etwas nachließ, war es Zeit zu handeln. Also gingen wir los und kauften notwendige medizinische Dinge und Essen, welches in jeder Situation einfach zuzubereiten ist. Dann ging es zurück in unsere Wohnung. Wie bereiteten alles in unserer Wohnung für den Notfall vor und packten notwendige Dinge, um jeden Moment weg zu können. Ich spürte einen Bombeneinschlag und schon wieder stieg Panik unkontrolliert auf. Ich war verloren und konnte nicht sortieren, was ich nun tun soll/muss. Warum? Sollte ich jetzt etwa umziehen und mein Zuhause verlassen?

Nach 7 Stunden entschieden wir uns, Kyiv zu verlassen und an einen sichereren Ort zu gehen. Und für diese Entscheidung aus der Stadt zu gehen bin ich meinem Freund dankbar, da wir sonst in Kyiv unter ständigen Bombardierungen und Beschuss gestanden wären. Als wir auf dem Weg zum Bahnhof waren flog plötzlich ein Flugzeug über uns hinweg. Ich wusste nicht, zu welcher Seite es gehörte: ukrainisch oder russisch, also liefen wir in den nächsten Schutzbunker. Endlich am Bahnhof angekommen sind wir in eine andere Region gefahren. Aber meine Familie ist noch in einer Stadt mit strategisch wichtigen Einrichtungen. Die Familie meines Freundes ist in einem Gebiet, wo konstant Kämpfe toben. Meine Freunde sind in Gebieten, die jede Stunde bombardiert werden. Einige Städte wurden komplett zerstört oder sind an der Grenze einer humanitären Katastrophe. Darüber hinaus sind hunderte, wenn nicht tausende Zivilisten ums Leben gekommen, darunter Kinder. Kindergärten, Schulen, Gemeindezentren, Krankenhäuser werden bombardiert.

Aktuell bin ich an einem sichereren Ort und tue mein Bestes, den Leuten und unserer Armee zu helfen. Jeden Tag leiste ich ehrenamtliche Arbeit, wie andere Ukrainer auch. Ich werde nie wieder die Person sein, die am 23. Februar ins Bett ging. Ich werde mich niemals wieder in Kyiv sicher fühlen, wo ich 8 Jahre lebte. Ich werde immer den Klang der Bomben hören, selbst wenn nur Feuerwerk gezündet werden sollte. Und ich weiß nicht: werde ich jemals wieder in mein Zuhause zurückkehren? In mir ist viel Hass, Trauer und Schmerz. Aber auch Stolz auf unsere Armee, auf die Menschen und Liebe für das Land. Ich verstehe nicht, warum ich so einen großen Preis zahlen muss, aber ich hoffe, dass Russland dafür in der Hölle brennt.


Spendenmöglichkeiten:

“Bündnis Entwicklung Hilft”BEH und ADH
IBAN: DE53 200 400 600 200 400 600
BIC: COBADEFFXXX
Commerzbank
Stichwort: ARD/ Nothilfe Ukraine
Caritas ÖsterreichIBAN: AT23 2011 1000 0123 4560 (Kennwort: Soforthilfe Ukraine)
SOS-KinderdorfIBAN: AT62 1600 0001 0117 3240 (Kennwort: Ukraine)
DiakonieIBAN: AT07 2011 1800 8048 8500
ORF (Nachbar in Not)IBAN: AT21 2011 1400 4004 4003 (Kennwort: Hilfe für die Ukraine)
Ärzte ohne GrenzenIBAN: AT43 2011 1289 2684 7600

Kostenlose psychologische Anlaufstelle:

Die psychologische Ambulanz und psychotherapeutische Ambulanz der Sigmund Freud Privatuniversität bietet mit der ÖH kostenlose Krisenintervention für alle ukrainischen Studierenden, die an einer österreichischen Hochschule studieren, in englischer und deutscher Sprache in Präsenz in Wien an. Für Studierende, die derzeit in der Ukraine sind, wird eine Online-Gruppe angeboten.

Ein Sommersemester wie damals

0

Die Uni setzt wieder auf Präsenzlehre, ganz so wie es vor Corona war

Laptop, Headset und Co. waren in den letzten zwei Jahren die täglichen Begleiter unseres Studienalltags. Man switchte von einer Videokonferenz zur nächsten, streamte die letzte LV Einheit oder organisierte Gruppenarbeiten in shared Docs. Mit dem kommenden Sommersemester, nach zwei Jahren Pandemie, soll wieder ein Sommer wie damals eingeläutet werden: ein Semester in Präsenz – mit Maskenpflicht, 2,5G-Regel, aber ohne Onlinelehrveranstaltungen.

Als Lehramtsstudierende haben wir gelernt zu reflektieren: Unsere gehaltenen Unterrichtseinheiten, unsere geplanten Unterrichtseinheiten, unsere Präsentationen, unsere Arbeiten und unsere Reflexionen. Wir reflektieren alles. Angesichts der Situation könnte man allerdings meinen, dass die Planung für das kommende Semester nicht zur Gänze reflektiert wurde.

Ja, Onlinelehre ist anstrengend. Ja, die sozialen Interaktionen bei der Onlinelehre halten sich in Grenzen – aber liegt das am Format oder doch an der Aufbereitung? Ja, es ist schwieriger neue Leute kennen zu lernen und sich mit anderen Studis zu vernetzen, wenn alles online ist – aber liegt das an der Lehre oder daran, dass auch Studifeste und -aktionen kaum möglich waren?

Aber ist alles an der Onlinelehre schlecht? Waren die letzten Semester so furchtbar, dass man auf keine reinen Onlinelehrveranstaltungen mehr setzen möchte? Ich bezweifle das!

Hand hoch, wer schon einmal vom Arbeitsplatz aus gestreamt oder an einem Meeting teilgenommen hat, um die Zeit bestmöglich zu nutzen. Hand hoch, wer sich doch noch für LVs angemeldet hat, weil sie durch das Onlineformat in den Terminkalender hineinpassten. Hand hoch, wer sich doch noch nachträglich für VOs angemeldet hat, um noch eine Prüfung mehr abzulegen, weil die Einheiten online nachhörbar waren. Hand hoch, wer extra eine online LV gebucht hat, weil man aufgrund der Onlinelehre nicht nach Salzburg/Linz pendeln musste.

Und wie ist meine persönliche Bilanz? Ich kann kommendes Semester LVs nicht belegen, weil ich (noch) nicht fliegen kann. Ich kann nicht in 20min direkt aus dem Klassenzimmer an die Universität fliegen. Ich kann allerdings in 20min vom Klassenzimmer in den Konferenzraum oder die Bibliothek gehen, meinen Laptop aufklappen und mich online zur LV zuschalten. So ist studieren 2022 für mich möglich. Wenn man sich durch die noch nicht zugeteilten Wartelisten der Masterkurse der Bildungswissenschaften durchklickt, sieht man auch ein deutliches Bild: Die Zahlen der Studierenden auf den Wartelisten sind bei den Kursen, die ab 17h, geblockt und (zumindest teilweise) online sind am höchsten. Woran mag das wohl liegen?

Genau aufgrund dieser Erfahrungen und Tatsachen ist es mir ein Rätsel warum Lehrveranstaltungen im Onlineformat wieder vergessen werden und ausschließlich auf Präsenzlehre gesetzt wird. Wäre die Beibehaltung von LVs in reinen online Formaten v.a. im Masterstudium Lehramt nicht eine win-win-win-Situation? Das erste „win“ steht für die Studis, denn durch online LVs ist es leichter den Lehrberuf oder den Nebenjob mit der Uni zu koordinieren und dadurch mehr LVs in kürzerer Zeit abzuschließen. Das zweite „win“ steht für die Uni, denn wenn Studis Beruf und Uni leichter koordinieren können, steigt auch die Prüfungsaktivität und mit der die Förderungen für die Uni. Und das dritte „win“ geht an die Schulen – an die Schulen, die nicht in der nähe der Uni sind. Denn der Lehrpersonenmangel ist als erstes an den Schulen am Land spürbar. Durch Onlinelehre wäre es für Studierende möglich den Lehrberuf und das Masterstudium an der Uni zu verbinden – unabhängig vom Standort der Schule.

Ich bin gespannt, ob die Uni im kommenden Semester merken wird, dass die Onlinelehre viele Vorteile mit sich gebracht hat durch diese die Prüfungsaktivität der Studierenden erhöht wurde. Vielleicht werden die Zahlen am Ende des Semesters es zeigen, vielleicht aber auch die zahlreichen Emails der Studierenden, die nach Onlinelehre fragen.