Corona-Shutdown. Was die Uni Salzburg jetzt dringend regeln muss!

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Im Bereich “Lehramt Kurier” schreiben wir Meinungsartikel und Hintergrundartikel, die Aspekte der Uni beleuchten, aber als redaktioneller Inhalt zu sehen sind. Wir laden natürlich auch jeden Studierenden ein, Artikel hier zu schreiben – namentlich oder anonym. Die Meinungen im “Lehramt Kurier” müssen nicht zwangsläufig der Meinung der STV Lehramt oder aller ihrer Mitglieder entsprechen, da hier auch kontroverse Denkanstöße und Meinungen Platz finden.


Seit 10. März ist klar: nicht nur die Universitäten und Hochschulen, sondern ganz Österreich muss aufgrund der Ausbreitung des Corona Virus in den Shutdown. Minimierung von Kontakten, Schließung von Bibliotheken und Uni-Gebäuden, Absagen von Prüfungsterminen, Umstellung auf Fernlehre; Schließung von Läden, Versammlungsverbot, Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

Prüfungen: Das Prüfungswesen ist (Stand 18.03.2020) bis 20.04.2020 ausgesetzt. Das betrifft Vorlesungs-, Fach-, Bachelor- & Masterprüfungen, also auch insbesondere Prüfungen zum Studienende und bereits geplante Prüfungen.
1. Die Universität muss nun dringend allen Studierenden, die aufgrund der Situation Studienbeitrag zahlen müssen, eine Garantie geben, dass eine Rückforderung möglich ist. Dazu braucht es eine entsprechende Grundlage, aber in dieser Situation wird es niemanden in den demokratischen Gremien geben, der einer Lösung im Weg steht.
2. Bei bereits ausgemachten Masterprüfungen, die nun abgesagt wurden, braucht es eine Sonderregelung, sodass bei einer erneuten Anmeldung die 2-Wochen-Frist zwischen Anmeldung und Durchführung unterschritten werden darf. Da aufgrund der unabsehbaren Lage Prüfungen vermutlich eine Anmeldung erst kurz vor dem 20.04.2020 erfolgt, würde das einigen erlauben, noch vor Ende April abzuschließen.
3. Fachprüfungs- und schriftliche Bachelorprüfungstermine, die nun abgesagt wurden, dürfen nicht einfach übersprungen werden (3 Termine pro Semester sollen angeboten werden). Zum einen gibt es in manchen Bereichen thematische Rotationen, zum anderen müssen (Beispiel UF Deutsch) mehrere Bachelorteilprüfungen geschrieben werden und erfordern auch Vorbereitungszeit; eine Komprimierung der Termine hilft also letztlich hier nicht. Hier könnten aber bei einem Termin auch mehrere thematische Prüfungsschwerpunkte angeboten werden (bei thematischen Rotationen); in anderen Bereichen braucht es einen möglichst baldigen neuen Jahresplan für Prüfungen, sodass die Planungssicherheit früh besteht.
4. Bei den Bachelorteilprüfungen in Deutsch besteht seit längerem Kritik am Umfang, im Vergleich zu den ECTS. Dort hat jede Teilprüfung 0,75 ECTS, aber gleichzeitig müssen mehrere dutzend Bücher dafür gelesen werden. Spätestens jetzt muss gehandelt werden und der Umfang an die ECTS angepasst werden.
5. Fernprüfungen: es braucht Handlungsanweisungen, wie auch Prüfungen über Blackboard oder Skype geschrieben/abgehalten werden können. Dies wäre auch eine willkommene Abkehr von Prüfungen mit reiner Wissenswiedergabe hin zu Prüfungen, die höhere Kompetenzlevels abprüfen. Hier braucht es Durchführungsbestimmungen seitens der Unileitung. Im Jahr 2020 ein überfälliger Schritt. Damit könnten auch Vorlesungsprüfungen bald nachgeholt oder wiederaufgenommen werden.

Fernlehre: Die Umstellung auf Fernlehre, ohne eine nennenswerte Vorwarnzeit, war natürlich für Lehrende eine große Herausforderung und während dieser Umstellung gab es großes Verständnis für Verzögerungen in der Kommunikation und bis Lernaufträge da waren. Dennoch braucht es auch hier einige qualitätssichernde Maßnahmen abseits der bereits ausgeschickten Empfehlungen und Bitten.
1. Fernlehre ist für viele Lehrende neu; hier bräuchte es neben technischen Links für Plattformen auch Empfehlungen für die Durchführung (siehe Grafik). In einigen Kursen besteht die Tendenz, die Präsenzlehre über digitale Kanäle überzukompensieren: kurze Fristen, überbordende Aufträge, teils weniger sinnvolle Arbeitsaufträge für die Learning Outcomes (z.B. schriftliches Zusammenfassen von Texten), Schließung von Diskussionsforen nach einer bestimmten Frist.
2. Eigentlich braucht es eine Ombudsstelle an der Uni Salzburg. Dies ist eine neutrale Stelle in der Uni, die Beschwerden & Probleme entgegennimmt und entsprechend an die richtigen Personen anonymisiert weiterleitet. Eine solche Stelle gibt es an anderen Unis; in Salzburg hat man diesem Modell immer eine Absage erteilt. Aktuell fungieren die Studienvertretungen und die ÖH als solche Stellen, aber auch dort hat man nur die Möglichkeit, nach Beschwerden entweder den LV-Leiter oder den VR Lehre zu informieren oder anzuschreiben.
3. Es braucht auch Qualitätssicherung: systematische Feedbackkultur braucht es auch in Fernlehre, ebenso eine Erhebung von Außen über das Funktionieren von Fernlehre. Dies würde insbesondere relevant, falls die jetzigen Maßnahmen verlängert werden müssten.

Sozial- und Wehrdienst: Die Bundesregierung hat einige ehemalige Wehrdienstleister wieder eingezogen; es gibt einen Aufruf zum freiwilligen Melden als Zivildiener. Eine längere Beurlaubungsfrist ist hier nur eine teilweise Lösung, da damit das Semester und alle Kurse über den Haufen geschmissen werden.
Hier müsste es eine Zusicherung des Rektorats geben, dass man diesen Studierenden die Absolvierung des Semesters (durch Ersatzleistungen, längere Fristen, alternative Prüfungsmethoden) in jedem Fall ermöglichen will und eine Anlaufstelle (ähnlich der Stelle Diversity&Disability) einrichten/benennen.

Soziale Hilfsaktionen anerkennen: Aktuell ist das Leben in Österreich im Shutdown, an den Unis läuft Fernlehre. Viele Hilfsaktionen laufen, u.a. eine breite ÖH Kooperation in Salzburg mit der Diakonie und Stadt Salzburg. Diese Initiativen und auch andere Unterstützungsmaßnahmen sollten auch von der Universität unterstützt werden.
1. Anerkennung z.B. der Nachbarschaftshilfe (Zertifikat und Stundenaufzeichnungen sind abgeklärt) im Rahmen der freien Wahlfächer, bzw. auch im Rahmen von Studienpraktika.
2. Lehramts-Praktika, die gerade in der Oberstufe stattfinden, im Rahmen der Unterstützung von schulischem Fernunterricht erlauben, sodass Studierende z.B. Materialien vorbereiten, Korrekturen und Rückmeldungen im Rahmen des Praktikums übernehmen dürfen – natürlich alles von zu Hause aus. Dies unterstützt die Lehrkräfte an den Schulen, die nun auch gleichzeitig zum Teil Betreuungspflichten übernehmen müssen.

Fristen und Fristenläufe: Zeit spielt für viele eine Rolle. Egal ob auslaufende Studienpläne, Inskriptions- oder Bewerbungsfristen. Durch den eingeschränkten Betrieb sollte auch hier direkt vorgeplant und auch jetzt bereits Maßnahmen zumindest für möglich erklärt werden.
1. Wer seine letzte Bachelor- oder Masterprüfung nicht bis Ende April machen kann (sondern dann erst Anfang Mai), kann ein Folgestudium erst im Oktober beginnen. Manche haben auch bei Anmeldungen damit gerechnet, dass vor dem 1. Mai das Folgestudium angetreten wird.
Die Vorziehregelung sollte aufgehoben werden im Sinne einer generellen unbeschränkten Vorzieherlaubnis.
2. die Universität sollte Bestätigungen ausstellen für Fälle, wo ein Abschluss bereits theoretisch erfolgt sein könnte, aber aufgrund abgesagter Prüfungen nicht erfolgen konnte. Dies erlaubt Bewerbungen und Nachweise bei potenziellen Arbeitgebern.
3. Alle Studienplanfristen (z.B. Magister Lehramt) mit 30.11.2020 oder 30.09.2020 sollten, im Falle einer längeren Einschränkung, sofort auf eine Verlängerung bis 30.04.2021 vorbereitet werden. Natürlich ist das Coronavirus höhere Gewalt, aber eine großzügige Regelung kostet die Universität keinen Cent und rettet im besten Fall einige Studienabschlüsse (insbesondere bei größeren Umstellungen, wo die Alternative ein Abbruch wäre).

Rückkehr zum Normalbetrieb: die Universität Salzburg hat Nachholbedarf insbesondere im Bereich ‘digitale Lehre’ und hat jetzt eine große Chance.
Bereits jetzt sollten Vorbereitungen getroffen werden, dass diese Übung des Extremfalls nicht einfach verpufft. Gute Ansätze bei digitaler Lehre, die bereits bestehenden Materialien, die nun breit getesteten verschiedenen Ansätze müssen auf ihre Tauglichkeit im Normalbetrieb untersucht werden. Dazu braucht es eigene Evaluierungsbögen, die den Fernlehre-Teil des Semesters auch seitens der Lehrenden und Studierenden erheben.