Mein Auslandsjahr an der Bowling Green State University (BGSU)

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Michael Harrer, Lehramt Englisch & Geschichte

Planung

Mit der Planung meines Auslandssemesters habe ich ungefähr ein Jahr zuvor im Oktober begonnen. Informiert habe ich mich bei Prof. Benjamin Wright, der für die Partnerschaft mit der BGSU zuständig ist. Zeitgleich bin ich auch mit dem Büro für internationale Beziehungen an der Universität Salzburg in Sachen Auslandsstipendium in Kontakt gestanden. Von Prof. Wright habe ich eine Liste mit Dokumenten bekommen, die ich bei ihm bis Jänner abgeben musste. Wer ein Auslandssemester oder -jahr an der BGSU verbringen möchte, muss ein Motivationsschreiben, einen Lebenslauf und zwei Empfehlungsschreiben abgeben. Dazu kommt auch noch der TOEFL Test (Sprachtest), der in Wien oder München absolviert werden kann.

Sobald ich von Prof. Wright für das Auslandssemester/-jahr ausgewählt wurde, trat die BGSU mit mir erstmals in Kontakt. Ansprechperson war Frau Ploeger von International Programs and Partnerships. Ich musste einige Dokumente, die ich Prof. Wright geschickt hatte, in einem Online-Portal hochladen und auch noch ein Bank Statement beifügen. Danach konnte ich mich für eine Unterkunft am Campus und einen Meal Plan bewerben.

Für einen Aufenthalt in den USA, musste ich auch ein J1-Visum beantragen. Dafür unbedingt ungefähr drei Monate einplanen, da man nicht sofort einen Termin für das Visumsinterview auf der Botschaft bekommt. Ich hatte das Glück, dass es bei mir schneller ging, da ich schon einmal davor dasselbe Visum hatte. Ich konnte mir so den Interviewtermin ersparen und musste nur meine Unterlagen per Post schicken.

Für die Flugbuchung empfehle ich die Internetseite „Skyscanner“ zum Preisvergleich. Buchen würde ich allerdings direkt bei der Airline. Ich bin mit KLM, Delta, und Air France von München über Amsterdam nach Detroit geflogen. Der Hin- und Rückflug hat ungefähr 800€ gekostet, wobei ich einen Aufpreis für einen zweiten Koffer bezahlt habe.

Ankunft in den USA

Die Ankunft in den USA verlief relativ unproblematisch, da die BGSU einen Flughafen-Shuttle ihren Studierenden gratis zur Verfügung stellt. Im Shuttle lernte ich bereits andere internationale Studierende kennen. Für den Shuttle muss man sich vorab online anmelden. Auch für die International Student Orientation ist eine Anmeldung online Voraussetzung. Hier unbedingt die Fristen auf der Webseite von International Programs and Partnerships der BGSU im Blick behalten.

Unterbringung

An der BGSU besteht meines Wissens nach die Wahl zwischen einer Unterkunft am Campus oder außerhalb in der Stadt. Ich jedem kann nur empfehlen, sich für ein Studentenheim am Campus zu bewerben, auch wenn das ein bisschen mehr kostet. Man wohnt näher an den Unigebäuden und ist mehr in das Studentenleben eingebunden. In den Gemeinschaftsräumen der Studentenheime lernt man auch schneller neue Leute kennen. An der BGSU gibt es neun Studentenheime, die preislich variieren. Ich hatte mich für Kohl Hall und Kreischer Quadrangle entschieden und bin schlussendlich in Kreischer Quadrangle gelandet. Diese zwei Heime sind am Campus die günstigsten und meiner Meinung nach vollkommen ausreichend. In fast allen Heimen hat man einen Roommate und Bad und WC am Gang. Der große Vorteil am Kreischer Quadrangle ist, dass sich im Heim ein Markt und eine Mensa, die bis Mitternacht geöffnet hat, befinden. Ich habe zusammen mit einem Roommate aus Philadelphia gewohnt und hatte keine Probleme. Ob man gut mit seinem Roommate auskommt oder nicht, ist allerdings ein bisschen Glückssache.

Kurse

Für das Visum muss man mindestens Kurse im Umfang von 12 US Credits absolvieren. Das Maximum sind meines Wissens nach 18 US Credits. Ich habe die folgenden vier Kurse absolviert:

  • ACS 2500: Cultural Pluralism
    Viele Readings, mehrere Papers (2-3 Seiten), Zwischenprüfung und Endprüfung (Open Book)
    Aufwand: mittel bis hoch
  • COMM 3080: Argumentation
    Eine kurze Rede aus einem Film, zwei Debatten, zwei Quizzes, eine Endprüfung (Open Book) und ein vierseitiges Paper, keine Readings
    Aufwand: niedrig
  • ETHN 2300: Native Americans in Film
    Kurze Readings, Filme, mehrere Papers (2-3 Papers), Zwischenprüfung und Endprüfung
    Aufwand: niedrig bis mittel
  • HIST 4555: Europe Since World War I
    Viele und vor allem lange Readings (Bücher), Filme, eine längere Präsentation, einen Draft der Forschungsarbeit und die Forschungsarbeit
    Aufwand: hoch

Grundsätzlich haben fast alle Lehrveranstaltungen in den USA Übungs- oder Seminarcharakter. Der Arbeitsaufwand ist daher höher als in Österreich während des Semesters. Die Prüfungen am Ende des Semesters sind jedoch viel leichter als in Österreich.

Leben am Campus und in Bowling Green

Die BGSU ist eine große Universität mit ungefähr 20 000 Studierenden in einer kleinen Stadt im Nordwesten von Ohio. Trotz der Größe der Universität taucht man als internationaler Studierender sehr schnell in eine große Gemeinschaft ein und lernt schnell neue Leute kennen.Besonders am Beginn des Semesters bieten sowohl die Uni als auch International Programs and Partnerships zahlreiche Veranstaltungen (z.B. Campus Fest, Kreischer at Dark, etc.) an, um neue Leute kennenzulernen.

Ich empfehle allen internationalen Studierenden, am Campus Fest teilzunehmen, da man dort einen Überblick über die verschiedenen Clubs und Studierendenorganisationen an der BGSU bekommt. Ich habe mich dort für drei Clubs angemeldet:

  • Club Tennis BGSU
  • Bible Study der H2O Church
  • Cross-cultural Conversation Connection

Rückblickend bin ich besonders froh, dass ich mich für die Tennismannschaft der BGSU angemeldet habe. Durch das Team habe ich ganz viele amerikanische Studierende kennengelernt und konnte besser in die amerikanische Kultur eintauchen. Das Tennisteam wurde nach einem Monat an der BGSU auch zu einer großen Freundesgruppe. Wir trainierten dreimal pro Woche und fuhren an den Wochenenden oft zu Turnieren. Durch das Tennisteam konnte ich auch andere Orte in den USA entdecken, da wir zu Turnieren in Cincinnati, Ohio; Austin, Texas; Rome, Georgia und Madison, Wisconsin fuhren oder flogen. Das Gute daran war, dass ich für die Reisen nichts bezahlen musste. Fahrt-/Flugkosten und Unterkunft wurden von der BGSU und dem Club Tennis Team finanziert. Die Turniere haben unglaublich viel Spaß gemacht und wir waren meiner Meinung nach auch ganz erfolgreich. Bei einem Turnier in Ohio wurden wir Dritter hinter Cincinnati und Alabama und bei einem nationalen Turnier mit 48 Teams gewannen wir die Bronze Bracket und wurden somit 24. vor namenhaften Unis wie Tulane University und Penn State University. Ich selbst habe für das A-Team gespielt, aber grundsätzlich kann jeder unabhängig seines Niveaus mitmachen. Beim Turnier in Ohio waren wir zum Beispiel mit drei Teams am Start. Wenn man zu keinen Turnieren fahren will, kann man aber auch nur zu den Trainings gehen.

Neben den Trainings und den Turnieren machten wir als Team auch Fundraising. Das war auch eine tolle Erfahrung. Wir haben in einem Haunted House gearbeitet, in dem wir uns verkleiden und Besucher:innen erschrecken mussten. An anderen Wochenenden arbeitete ich beim Einlass von Footballspielen oder bei Cedar Point (ein großer Vergnügungspark in der Nähe) in einem Souvenirladen.

Die Bible Study war für mich auch eine sehr interessante Erfahrung. Selbst würde ich mich nicht als sehr religiös bezeichnen. Die H2O Church ist sehr aktiv am Campus und deshalb wollte ich der ganzen Sache eine Chance geben. Mir haben die Treffen sehr gut gefallen, da wir anfangs immer Spiele gespielt haben und erst nach der Hälfte einen Bibelvers gelesen haben. Für manche Amerikaner:innen ist Religion sehr wichtig und deshalb wollte ich diesen Aspekt des amerikanischen Lebens genauer kennenlernen. Probiert es aus, nicht jeder ist ein Fundamentalist wie es in den Medien dargestellt wird.

Abgesehen von den Studierendenorganisationen am Campus tut sich auch in der Stadt viel. Es gibt zahlreiche Clubs und Bars, in denen sich ab Donnerstag viel tut. Dort bin ich entweder mit Freunden aus dem Tennisteam oder mit anderen internationalen Studierenden fortgegangen. Trotz ihrer kleinen Größe (30 000 Einwohner:innen) hat Bowling Green wirklich viel zu bieten. Es gibt viele kleine Läden, große Supermärkte und eine große Auswahl an Fast-Food-Ketten.

Nicht unweit von Bowling Green gibt es auch größere coole Städte zu entdecken. Toledo ist nur 25 Minuten entfernt und nach Detroit ist es nur ein bisschen mehr als eine Stunde. Beide Städte haben aufgrund ihrer jüngsten Vergangenheit nicht unbedingt den besten Ruf, sind aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Innenstadt in Detroit ist sehr schön und es gibt unglaublich viele Geschäfte. Über meine Sicherheit musste ich mir nie Sorgen machen, auch nicht in den Öffis. Auch nicht weit entfernt sind Cleveland und Columbus.

Reisen und Transport

Der Transport in Bowling Green ist etwas schwierig. Die BGSU bietet regelmäßig Shuttles an, mit denen man zum Beispiel zu Supermärkten oder in die Innenstadt kommt. Zu vielen Geschäften muss man allerdings zu Fuß gehen oder mit dem Auto fahren. Auch außerhalb der Stadt ist man mehrheitlich auf das Auto angewiesen. Es gibt täglich mit Greyhound/Barons Bus eine Verbindung nach Columbus und Toledo und Detroit. Von Toledo aus gibt es allerdings sehr viele Verbindungen (Cleveland, Cincinnati, Chicago, New York City, Pittsburgh, Louisville, Indianapolis, etc.). Lyfts und Ubers gibt es in der Stadt, sie sind allerdings selten und man braucht Glück, um eines zu bekommen.

Gut an der Lage der BGSU ist die Nähe zu Detroit und zum Flughafen. Von Detroit kann man sehr günstig in viele Bundesstaaten fliegen. Während meines Aufenthalts waren vor allem die Flüge nach Boston, Miami, Atlanta und New York City sehr günstig. Über Fall Break bin ich mit anderen internationalen Studierenden nach Miami für $80 geflogen und über Thanksgiving für $150 nach Boston. Nach dem Ende des Semesters war ich noch in New York City, Texas und Louisiana.

Ich empfehle jedem, der reisen will, sich zu informieren, was es noch so in der Umgebung einer Stadt gibt. Von Boston kommt man zum Beispiel sehr einfach nach Rhode Island mit dem Zug oder nach Portland, Maine, mit dem Bus. Vor allem Portland ist eine wirklich tolle Stadt. Für die Bustickets hin und zurück habe ich mit Megabus insgesamt nur $6 bezahlt.

Versicherung

Alle internationalen Studierenden an der BGSU müssen eine Krankenversicherung abschließen. Man hat zwei Optionen. Entweder man nimmt die Versicherung der BGSU, die relativ teuer ist oder man kauft sich eine in Österreich oder Deutschland. Wichtig ist allerdings, dass die Versicherung die Voraussetzungen der BGSU erfüllen muss. Daher unbedingt vorher mit der Versicherungsabteilung der BGSU (Marlene Reynolds) in Kontakt treten und sich über den Insurance Waiver informieren. Ich hatte eine Versicherung der Hanse Merkur und die wurde nach langem Hin und Her von der BGSU akzeptiert

Fazit

Das Auslandssemester an der BGSU war meine dritte Auslandserfahrung in der USA nach einem kurzen Austausch und einem Auslandsjahr in Colorado. Ohio war im Vergleich mit Colorado wieder eine ganz neue Erfahrung. Ich empfehle daher jedem, ein Auslandssemester oder -jahr zu machen, auch wenn man bereits zuvor im Ausland war. Ohio war anders als Colorado, aber nicht besser oder schlechter. Es war eine unglaublich tolle Zeit, für die ich für immer dankbar sein werde.