Ein Bericht von Christina Brandmair

Ich habe im Schuljahr 2016/17 am Sprachassistenzprogramm des Bundesministeriums in Großbritannien teilgenommen und möchte hier über meine Erfahrungen und das Programm an sich berichten.

 

Sprachassistenz allgemein

Das Sprachassistenzprogramm wird jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium und weltweit unterrichten organisiert. Man kann in verschiedenen europäischen Ländern als Unterstützung im Deutschunterricht arbeiten, je nach Land ist man 6 bis 10 Monate an einer bis drei Schulen tätig.

Ich habe dieses Programm in Großbritannien absolviert und war von 1. Oktober bis 31. Mai an einer Academy in Südengland angestellt.

Allgemein dient das Programm um Landeskultur und Deutschkenntnisse zu vermitteln, oft wird davon gesprochen dass man als Repräsentant Österreichs in fremden Schulen gilt.

In der Praxis sieht das ganze etwas anders aus.

 

Der Anmeldeprozess

Möchte man im Herbst als Sprachassistent zu arbeiten beginnen muss man sich bis zum 12. Jänner desselben Jahres online bei weltweitunterrichten.at anmelden. Hierfür braucht man ein medizinisches Attest, ein Motivationsschreiben auf Deutsch, eines in der Sprache des Wunschlandes und mindestens ein Empfehlungsschreiben.

Weiters ist online ein Anmeldebogen mit vielen Fragen auszufüllen.

Schafft man es in die nächste Runde wird man zu einem persönlichen Interview eingeladen, das auf Deutsch und in der Sprache des Wunschlandes stattfindet. Hierbei werden zu allen Themen Fragen gestellt, die für die Sprachassistenz relevant sind, auf interessantes aus der Bewerbung eingegangen und konkrete Unterrichtsbeispiele besprochen, beispielsweise was man mit einem Supermarktprospekt im Unterricht machen könnte.

Nach dem Interview erfolgen dann Gespräche zwischen der österreichischen Organisation und derer des Wunschlandes, wo eine endgültige Auswahl getroffen wird.

Im Fall Großbritannien läuft es so ab, dass am 12. Jänner Bewerbungsfrist ist, Mitte Februar die Interviews stattfinden und man Mitte Mai erfährt, ob man einen Platz bekommt. Im Juni findet dann im Regelfall der erste Kontakt mit der Schule statt.

 

Kontakt zur Schule

Im Regelfall meldet sich die in der Schule für das Assistenzprogramm zuständige Person im Mai oder Juni bei den Assistenten per Mail, mit einem zu unterzeichnenden Stellenangebot. Unbedingt den spam Ordner checken, sonst kann das Angebot wieder verfallen!

Hier erfahrt ihr auch dann die wichtigen Infos. Wo ist die Schule, wie viel verdient ihr (in GB ca. 870 Pfund), wann ihr ankommen sollt, wie es mit der Unterkunft aussieht, und ihr bekommt im Normalfall auch die Kontaktdaten des Assistenten aus dem letzten Jahr, der euch alles Wichtige sagt und eure Fragen beantwortet.

Über den Sommer hat man dann im Normalfall auch mit dem Personalbüro der Schule Kontakt und erfährt, welche Formulare und Dokumente man unbedingt ausfüllen oder mitbringen muss. Ganz wichtiger ist hier ein Polizeiliches Führungszeugnis aus Österreich und der Criminal Record Check in Großbritannien, wo man Teile schon im Internet ausfüllen kann.

 

Vorbereitung in Österreich

Es gibt im Sommer (für GB im Juli) ein Vorbereitungsseminar für Sprachassistenten. Hier lernt man viele andere Assistenten kennen, erfährt nützliches über die Assistenzzeit allgemein und kann Workshops zu den verschiedensten Themen besuchen. Dieses Seminar würde ich auf jeden Fall empfehlen, alleine schon weil es gut ist ein paar andere Assistenten kennenzulernen und weil man viele nützliche Materialen bekommt, die man auch später im Lehrberuf verwenden kann.

Weiters sollte man bevor man nach GB geht authentische Materialien sammeln, die typisch für Österreich sind. Es ist wichtig dass man sich mit Grammatik auseinandersetzt und mindestens ein gutes Grammatikbuch mitnimmt. Auch Fotos von Österreich und der direkten Heimat sind gut.

Man sollte sich auch überlegen, ob und welche Mitbringsel man mitnimmt.

Bevor man nach GB geht sollte man sich auch über die administrativen Dinge wie Krankenversicherung, Studium, … kümmern.

Geht man als Student in die Sprachassistenz gibt es versicherungstechnisch kein Problem, man darf nur nicht vergessen den ÖH-Beitrag zu bezahlen. Als Graduierter wird es komplizierter, da man nicht in 2 Ländern krankenversichert sein kann, in GB aber über den NHS versichert ist. Jede Krankenkasse hat hier aber eigene Regeln und es kommt – leider – stark auf den jeweiligen Sachbearbeiter und seine Tagesverfassung an.

Ich würde auch empfehlen dass man sich über den ÖAMTC eine Reiseversicherung macht, da man dadurch im Ernstfall schnell und günstig nach Österreich transportiert wird.

 

Erasmus+

Wenn man noch Student ist oder gerade erst abgeschlossen hat kann man Erasmus+ beantragen. Die genauen Infos dafür findet man beim Internationalen Büro. Man muss ein Bewerbungsformular ausfüllen, einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben abgeben. Danach muss das Learning Agreement ausgefüllt werden, was von der britischen Schule unterzeichnet werden muss. Man muss sich unbedingt so schnell wie möglich darum kümmern, dass man alles bekommt, da es sich sonst im Sommer zu lange hinzieht und man eventuell Fristen übersieht.

Sollte man das Stipendium bekommen bedeutet dies 435 € extra pro Monat, allerdings wird das Geld in 2 Raten ausgezahlt: Der Großteil (80%) zu Beginn, und die letzte Rate nach dem Praktikum, wenn man alle Formulare abgegeben hat.

 

Schule in Großbritannien

Die Schüler tragen generell Schuluniform, und auch für die Lehrpersonen (und Assistenten) gilt ein Dresscode. Generell sind Jeans, T-Shirts und Turnschuhe nicht gestattet, es gilt der Dresscode smart-casual. Stoffhosen, Röcke, Blusen, teilweise Blazer, und schöne Schuhe sind an der Tagesordnung.

Das Schulsystem in GB ist anders als in Österreich. Die meisten Schulen sind sehr groß, meine Schule hatte 2500 Schüler im Alter von 11 bis 18 Jahren. Der Schultag in GB ist kürzer als in Österreich, normalerweise beginnt der Unterricht um 9 Uhr und endet um 15 Uhr, mit einer kleineren Pause und einer Mittagspause. Generell haben die Lehrer Klassenräume und die Schüler wandern umher. Die Schule ist in departments aufgeteilt, was gut ist da die Unterrichtsräume auf den jeweiligen Unterricht ausgelegt sind, die Wände im languages department zum Beispiel waren mit Verbkonjugationen, Landkarten und Fotos dekoriert.

Sicherheit wird in den Schulen besonders groß geschrieben. Bevor man den britischen Criminal Record Check hat darf man nicht mit Schülern arbeiten. Schüler darf man generell nicht berühren, auch nicht wenn jemand weint.

Schlechtes Verhalten im Unterricht hat in Großbritannien generell ärgere Konsequenzen als in Österreich, Nachsitzen und Strafarbeiten stehen an der Tagesordnung, auch wenn sie oft keine langfristige Wirkung zeigen.

 

Aufgaben als Sprachassistent

Die allgemeine Aufgabe der Sprachassistenten setzt sich aus der Vermittlung von Grammatik, Aussprache, Landeskundlichem, und anderen Kleinigkeiten zusammen.

Ich wurde auf 2 Arten in der Schule eingesetzt. Einerseits als Unterstützung der Lehrer im Klassenzimmer, was bei den jüngeren Schülern (Y9 bis Y11) der Fall war. Hier habe ich im Klassenzimmer geholfen, diente als Wörterbuch, habe kleine Übungen vorbereitet und einzelne Schüler im Unterricht unterstützt. Außerdem habe ich immer wieder Kleingruppen oder einzelne Schüler für einige Minuten aus der Klasse herausgenommen und mit ihnen Sprachtraining gemacht, sie auf eine mündliche Prüfung vorbereitet, etc.

Andererseits habe ich auch mit den älteren Schülern, die sich auf die A levels vorbereiten, Einzelunterricht gehabt. Die Schüler kamen einmal in der Woche für 30 Minuten in meinen kleinen Raum. Dort habe ich mit ihnen von mir vorbereitete speaking cards geübt, über relevante Themen gesprochen, individuelle Grammatik-Schwerpunkte gesetzt. In diesen Einzelunterrichtsstunden konnte ich mich individuell auf die einzelnen Schüler einstellen und vorbereiten, und ihnen so über Schwierigkeiten im Deutschunterricht hinweghelfen. Mit den ältesten Schülern der Abschlussklasse habe ich auch an ihren Exposés gearbeitet, einem Schriftstück das sie über einen Aspekt eines deutschsprachigen Films angefertigt haben und bei ihrer mündlichen Abschlussprüfung vortragen. Da ging viel Zeit für Korrektur, gemeinsames Besprechen und Bearbeiten und auch die Diskussion des Geschriebenen drauf. Die Hauptaufgabe in der Schule war aber immer authentisches Sprechtraining mit den Schülern.

Der Stundenplan wurde von der Abteilungsleiterin für mich zusammengestellt. Er gestaltete sich aus Unterrichtseinheiten, die ich mit Deutschlehrern im Klassenzimmer verbrachte, und Einzelunterricht zur A Level Vorbereitung. Nach den Weihnachtsferien wurde der Stundenplan angepasst. Allgemein wird beim Stundenplan kein Wert darauf gelegt, ihn angenehm zu gestalten, was teilweise lange Pausen zwischen Einheiten mit sich bringt. Generell war die Schule jedoch flexibel, und wenn man in gewissen Klassen mit gewissen Lehrern nicht sinnvoll eingesetzt wurde konnten Stunden auch getauscht und geändert werden. Allgemein arbeitet man 12 Stunden pro Woche, und sollte einen freien Tag haben.

In meiner Schule gab es einen 2wöchigen Stundenplan, in diesen 2 Wochen hatte ich einen freien Tag.

 

Persönliche Eindrücke

In meiner Schule war es so, dass ich teilweise schockiert war wie wenig von den Schülern verlangt wurde. Der Unterricht ist komplett auf die standardisierten, nationalen Exams ausgelegt, es gibt nicht viel Platz für kreativen Unterricht. Es gibt nicht viele Hausübungen, und auch unter dem Schuljahr keine Tests oder Schularbeiten. Auch Mitarbeit im Unterricht spielt keine Rolle, was den Unterricht teilweise schwierig macht. Ich habe begonnen in einigen Klassen wöchentliche Vokabeltests einzuführen, die ich auch korrigierte. Sie hatten keine Auswirkung auf Noten, und viele Schüler haben es nicht geschafft 20 Wörter zu lernen, aber man konnte eine kleine Verbesserung sehen.

Aber ich habe die Erfahrung, als Sprachassistentin zu arbeiten, geliebt. Es ist jedoch anders als man im Vorhinein annimmt. Die kulturelle Komponente ist bei mir praktisch weggefallen. Ich habe vor Weihnachten in vielen Klassen über Weihnachten in Österreich gesprochen, Fotos hergezeigt, deutsche und österreichische Weihnachtslieder gesungen. Ansonsten ist im englischen System aber kaum Platz für kulturelle Dinge, vor allem aus Österreich. Im Einzelunterricht mit den älteren Schülern ist die kulturelle Komponente wichtiger. Hier spricht man über die Unterschiede von Deutschland und Großbritannien, wie sehen diverse

Aspekte in Deutschland aus, wie lebt man in Deutschland. Ich habe immer wieder versucht, Österreich auch hineinzubringen, über die Unterschiede von Deutschland und Österreich zu sprechen. Die Exams, die die Schüler ablegen müssen, sind jedoch alle zentral, und hier spielt Deutschland nun mal eine viel wichtigere Rolle als Österreich. Ich habe auch sehr viel Grammatikunterricht machen müssen, was ich so im Vorhinein nicht erwartet hatte. Dabei hat mir die Grundstufengrammatik, die wir am Vorbereitungsseminar bekommen haben, sehr geholfen. Man sollte sich auch von der Ahnungslosigkeit der Schüler nicht abschrecken lassen. Die britische Jugend ist noch desinteressierter als die österreichische, und man muss oft Grundlagen, die man vielleicht für selbstverständlich hält, jede Woche wiederholen.

Das kann alles sein, von grundlegenden Grammatikbegriffen, zu den europäischen Hauptstädten, bis hin zur Frage, wer denn eigentlich Angela Merkel ist.

 

Leben in Großbritannien

Großbritannien ist toll. Ich habe meine Zeit für viele Reisen genutzt, bin auf viele Konzerte gegangen und habe mir so viel angesehen wie möglich. Der generelle Arbeitsaufwand erlaubt dies auch, man wird normalerweise nicht mit zu viel Arbeit zugeschüttet.

Man sollte auch alle Angebote ausnutzen, die es gibt. Ich empfehle eine railcard zu beantragen, da man sich schon viel spart. Auch eine Mitgliedschaft im National Trust ist zu empfehlen.

 

Persönliches Fazit

Ich würde es sofort wieder machen. Die Betreuung durch die österreichische Organisation ist toll, die britische ist auch in Ordnung. Auch wenn das System ganz anders ist als in Österreich kann man viel für den eigenen Unterricht mitnehmen, und für das Sprachgefühl ist es sowieso toll. Ein Auslandsaufenthalt macht sich natürlich auch im Lebenslauf gut und hilft bei der späteren Jobsuche. Und auch für die persönliche Entwicklung ist es natürlich toll. Ich habe diese 8 Monate sehr genossen und würde die Sprachassistenz jedem empfehlen.

 

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