Corona + Wintersemester = viele Fragezeichen!

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Aus einer eher locker gemeinten und eher als Sonntagsunterhaltung schnell gemachten Umfrage ist sehr schnell ein Grabenkampf von Grundpositionen geworden – in einigen Fällen auch eindimensional als “Fernlehre vs. Präsenzlehre” verkannt, worum es aber explizit nicht ging. Und es kam auch Kritik an der Fragestellung bei der Facebookumfrage auf, die die Optionen sehr verknappt dargestellt hat.. Daher jetzt ein ausführlicher und differenzierter Blick auf die Fragestellung (und was die genauen Gedanken dahinter sind, die wir uns ja auch ernsthaft schon seit Wochen machen), was die Position der STV zu dieser Fragestellung war (Transparenz und so) und wo die Probleme im Detail befürchtet werden. Wie soll und kann es im Wintersemester also weitergehen?

Fernlehre im Sommersemester 2020 – ein Rückblick zuerst!

Die sehr plötzliche Umstellung auf Fernlehre in der 2. Märzwoche war wohl für alle ein Schock; vorangegangen waren mehrere Corona-Ausbrüche an 2 Universitäten, insbesondere ein größerer Ausbruch rund um eine Studentenfeier in Innsbruck mit einer Schließung der Uni Innsbruck. Kurz nach diesen Ausbrüchen kam dann bereits die zentrale Ansage: sofortiges Umstellen auf Fernlehre. Krisensitzungen wurden sofort in den Rektoraten einberufen, die teils parallel und mit Quertelefonaten zwischen den verschiedenen Unis stattfanden, haben schnelle Entscheidungen getroffen, bereits im Laufe des Tages wurden alle Hochschulen mitten im laufenden Betrieb geschlossen. Per Rundmail wurden alle Lehrenden informiert, dass auf Homeoffice und Fernlehre umzustellen sei.
Aus vielen Rückmeldungen ergab sich im gesamten Sommersemester dabei ein sehr gemischtes Bild: manche Kurse wurden problemlos umgestellt und liefen nach kurzer Zeit digital normal weiter; manche Kurse brauchten einige Zeit, bis es normal weiter ging; einige Kurse wurden nie zufriedenstellend umgestellt auf digitale Kanäle oder haben sich auf das Lesen von Dokumenten beschränkt. Vieles davon war aber auch dem fehlenden Vorlauf, die plötzliche Umstellung, wenig digitale Erfahrung von manchen Lehrenden, fehlender Infrastruktur in manchen Bereichen, etc. geschuldet – da die Kurse auch nie für digitale Durchführung ausgelegt waren.

Herbst 2020 – ein Blick in die Glaskugel

Auch für den Herbst zeichnet sich keine vollständige Entspannung der Lage ab. Bereits die Ausbrüche jetzt in Österreich, aber auch die Entwicklung in anderen Ländern mit potenziell außer Kontrolle geratenden Situationen, zeichnen ab, dass eine Rückkehr in die Unigebäude nur mit viel Aufwand und mit viel Unsicherheit erfolgen kann. Eine Rückkehr in einen “Normalbetrieb” erscheint unmöglich, solange Sicherheitsvorkehrungen, Abstandsregeln, Nachverfolgung etc. gelten.
Unter den jetzigen Corona-Auflagen sind normal-große Seminargrößen nicht in den kleineren Seminarräumen unterbringbar, sondern müssten bereits in den größeren Seminarräumen (am Unipark z.B. im 1. Stock) stattfinden. Vorlesungen müssten fast immer in den größten Hörsälen stattfinden. Letztlich also ein Platzproblem, womit bereits jetzt klar ist, dass nur ein Teil der Kurse vor Ort stattfinden kann. Ob ein allgemeiner Aufenthalt im Gebäude oder eine Öffnung der Lesesäle der Bibliotheken dann auch möglich sein wird, ist noch nicht absehbar.

Dabei baumelt immer das Damoklesschwert über dem Unibetrieb: eine einzelne Infektion, gerade in einem Gebäude wie dem Unipark mit Umluft-Belüftung wo eine Frischluftzufuhr in manchen Räumen gar nicht direkt möglich ist, würde sofort massive Auswirkungen haben. Ganze Hörsäle, Fachbereiche oder Studierendengruppen müssten sofort in Quarantäne (potenziell auch behördlich angeordnete Quarantäne) – gerade im Lehramt auch sofort zusammen mit anderen Kursen an anderen Fakultäten. Wie hoch die Durchmischung bei einem ‘normalen’ Stundenplan im Lehramt ist kann sich hoffentlich jeder denken, wenn zwischen den Kursen oftmals regelmäßig das Gebäude gewechselt wird.

Fehlende Vorgaben und Entscheidungen

Bisher ist nur klar, dass die Unileitung jedenfalls STEOP-Vorlesungen vor Ort stattfinden lassen möchte. Andere Kurse und Lehrveranstaltungen sollen entweder direkt digital geplant werden (insbesondere Vorlesungen, die sich auch digital aufzeichnen lassen; ein Modus, der in guter Umsetzung auch immer wieder gelobt wird, da sich viele von euch auch gerne Inhalte nachträglich beim Lernen nochmals anschauen können oder zeitunabhängig dies gemacht werden kann), im Wechselmodus (Präsenzlehrveranstaltung alle 2-3 Wochen, dazwischen Onlinephasen; so können mehrere LVen im selben Raum und im selben Zeitslot stattfinden), im Hybridmodus (z.B. Hälfte der Studierenden vor Ort, die andere Hälfte digital zugeschaltet) oder in voller Präsenz (wo nicht anders möglich).

Die Entscheidungen über die einzelnen Modi sind aber nicht zentral vorgegeben, sondern könnte letztlich ein Kampf um die knappen Raumressourcen ohne letztendlichen Schiedsrichter oder Höchstrichter werden. Welcher Kurs ‘unabdingbar nur in Präsenz’ abgehalten werden kann ist auch in vielen Fällen eher dogmatische Prinzipienfrage des einzelnen Lehrenden, als objektiv dargelegt – Laborübungen und Sportübungen als die immer wieder genannten Ausnahmen einmal ausgenommen. Am Ende könnten sich also eher die lautstärksten Dozenten durchsetzen als der real-größte Bedarf für Präsenzdurchführung aufgrund von Inhalten/Methoden.

Kraut und Rüben beim Abhaltungsmodus? Wie soll das funktionieren?

Die reale Frage ist, wie ein Stundenplan mit wild gemischten Abhaltungsmodi dann genau aussieht? Ein ‘normaler’ Unitag in einem ‘normalen’ Semester ist da noch ziemlich direkt machbar: nach Kurs 1 geht es ins Nachbargebäude zu Kurs 2, dann in den großen Hörsaal für Vorlesung 3 und am Ende noch in ein weiteres Gebäude für LV 4. Unregelmäßige, teils digitale und teils vor-Ort-Kurse, könnten da einen ziemlich komplizierten Stundenplan ausmachen: Kurs 1 alle 3 Wochen, Kurs 2 digital aber direkt im Anschluss, Vorlesung 3 dann im großen Hörsaal und LV 4 jede 2. Woche wechseln vor Ort und digital? Sitzen dann viele von uns mit Headset an der Uni im Gang, um die 2. LV des Tages digital zu verfolgen und trotzdem rechtzeitig wieder für die darauffolgende LV vor Ort zu sein? Oder erfahren die Lokale mit WLAN im Umkreis zur Uni einen Allzeit-Boom, durch verzweifelte Studierende auf der Suche nach Internet für einen Pflichtkurs? Für alle Pendler: da sieht dann jede Woche anders aus, mal gehts für eine LV an einem Tag nach Salzburg, mal für 4 LVen?

All das klingt nach einem komplizierten Semester, das jederzeit (1-2 Coronafälle könnten da ausreichen) unterbrochen oder in dieser eingeschränkten Form vorbei sein könnte. Lehrende sollten zwar mal “für alle Eventualitäten” planen, also auch für eine Umstellung auf digitale Lehre, doch dies würde eigentlich die Konzeption zweier unterschiedlicher methodischer, inhaltlicher und didaktischer Kursebenen erfordern. Dies ist gerade von Kursleitern von mehreren Kursen nicht realistisch einzufordern.

Ja, ein Studium lebt auch von den Begegnungen vor Ort, vom Lebensumfeld “Universität”, vom Plausch, vom gemeinsamen Schreiben von Arbeiten, vom gemeinsamen Vor-Ort-Erleben. Doch hier geht es nicht um eine Debatte “Fernuni vs. Präsenzuni”, noch um “Fernlehre vs. Präsenzlehre”, sondern um die konkrete Frage, wie das nächste Semester aussehen kann und soll unter den gegebenen Rahmenbedingungen.

Alternative Fernlehre?

Fernlehre ist von vielen mit sehr gemischten Erfahrungen verbunden aus dem letzten Semester, von sehr gut bis sehr schlecht – aber in der Mehrheit wird es auch als arbeitsaufwändiger, unpersönlicher, unstrukturierter und herausfordernder empfunden. Letztlich wäre jedoch die vollständige Umstellung auf Fernlehre der einzig bereits jetzt garantierbare Modus, der unabhängig von externen Rahmenbedingungen, Infektionszahlen und Hygienekonzepten laufen würde. Nein, dabei gäbe es all die oben genannten Dinge nicht: kein gemeinsames Lebensumfeld “Universität”, keine Begegnungen vor Ort, kein Plausch auf dem Gang und kein gemeinsames Erleben von ‘Studium’.

Und vielleicht wirkt Salzburg auch etwas ausgestorbener, würden sich doch manche Studierenden ein Semester Wohnen in der Stadt Salzburg sparen oder nicht nach Salzburg pendeln.
Zu bedenken sind aber auch Risikogruppen (Immunschwäche, chronische Vorerkrankungen), die während einer Pandemie niemals vor die Wahl gestellt werden sollten: Gesundheitsrisiko oder Studienverzögerung.
Und auch Lehrende würden hier nicht vor der Option stehen, letztlich ‘zwei’ Kurse (einmal digital als Notfallplan, einmal für Präsenz) planen zu müssen, sondern könnten sich ebenfalls mit Vorlauf darauf einstellen, Unterlagen und Methoden darauf abstimmen – dafür wäre eine frühe und klare Ansage aber wichtig und fair, sodass auch die Kursqualität steigen kann.
Ausnehmen könnte man hier explizit nur Laborübungen, Sportübungen und (am Mozarteum) Kunst- und Musikunterricht als die immer wieder genannten zwingenden Ausnahmen.

Macht Fernlehre letztlich mehr Spaß? Für viele vermutlich weniger als ein Studium vor Ort.

Flapsige Frage – viel Tiefgang

Am Ende bleibt zu resümieren: ein ‘normales’ Semester scheint nicht realistisch oder in Reichweite zu sein. Die Frage, ob Präsenzlehre mit allen damit einhergehenden Unsicherheiten und Planungsproblemen (die noch nicht einmal ganz absehbar sind) im persönlichen Empfinden über den Vor- und Nachteilen eines (erneuten) Fernlehresemesters steht, war aber ernst gemeint – auch wenn die hier ausführlicher dargelegte Situation vielleicht etwas flapsig auf 12 Zeilen Facebooktext und 2x 24 Zeichen Antwortmöglichkeit reduziert war. Wir können auch nur betonen, dass wir die STV Arbeit unbezahlt, ehrenamtlich und in der Freizeit machen, und auch am Sonntag mal ‘schnell’ eine Umfrage machen ohne eine größere Arbeitsgruppe einzurichten.

Unsere Position auch gegenüber Fachbereichen und Universität

Letztlich liegt es nicht in unserer Entscheidung, wie die Lehre im nächsten Semester aussieht; letztlich geht es hier auch nicht um die viel herbei geschworene Debatte “Pro-Präsenz” oder “Pro-Fernuni”, sondern um eine sehr pragmatische Frage. Wichtigstes Anliegen, dass wir auch in mehreren Sitzungen so angebracht haben, ist dabei die Planbarkeit für euch! Auf PlusOnline muss klar ersichtlich sein, wie eine LV geplant ist, welche Termine digital oder in Präsenz mit Anwesenheitspflicht (und damit mit von euch einzuplanender Zeit) angelegt sind, wo diese genau stattfinden. Zusätzlich war unser Vorschlag, dass bereits vor der Anmeldung in PlusOnline in der Kursbeschreibung wichtige Rahmenpunkte wie
1. grundsätzlich zu erledigende Aufgaben/Abgaben
2. zentrale Abgabetermine und Deadlines
3. erlaubte Fehlzeiten
bekanntgegeben werden, sodass schon vor der Anmeldung eine möglichst genaue Planung des Semesters möglich ist. Dies vermeidet auch unnötige nachträgliche Abmeldungen.
Im Falle von Vorlesungen haben wir betont, dass auch bei Präsenzvorlesungen digitale Aufzeichnungen sehr erwünscht sind, da diese auch am Ende bei der Prüfungsvorbereitung helfen, aber auch Vorlesungen besser in den Stundenplan integrieren lassen.
Nach jetzigem Stand wird es vom Rektorat auch keinen zentralen, einheitlichen Modus oder einheitliche Vorgaben geben, jedoch wären etwas mehr Vorgaben und Standards nicht schlecht; denn aktuell ist nichts absehbar und wir befürchten wirklich einen Kraut-und-Rüben-Modus mit Chaospotenzial.