Ein Bericht von Dominik Lech

 

Da mich ein Auslandsaufenthalt während meiner Studienzeit immer schon gereizt hatte, entschloss ich mich dazu, im Sommersemester 2018 ein Auslandssemester an der Florida State University (FSU) in Tallahassee zu absolvieren. Diese wurde mir von meinem Koordinator empfohlen und hatte den Vorteil, eine Partneruniversität der Universität Salzburg zu sein.  Die Vorbereitungen gestalteten sich allerdings als eine ganz schöne Herausforderung. Neben der allgemeinen Bewerbung – bestehend aus Motivations- und Empfehlungsschreiben sowie eines kurzen Lebenslaufes – musste ich auch den standardisierten TOEFL- Sprachtest absolvieren. Anschließend musste ich zudem Kurse an der amerikanischen Universität und dementsprechende Äquivalenzkurse der Universität Salzburg auswählen und diese auch mit den zuständigen Curricularvorsitzenden in Salzburg absprechen. Die letzte Hürde war schlussendlich die Wohnungssuche. Da mir zwar eine Unterkunft am Campus (in den sogenannten „Dorms“) zugesagt wurde – jedoch nicht in welchem Haus oder mit wie vielen Mitbewohnern – entschloss ich mich außerhalb des Campus in einem Appartement für Studenten zu wohnen. Dies gestaltete sich allerdings als Glücksfall, da das Appartement wenige Schritte vom Campus entfernt war, ich mein eigenes Zimmer hatte und im Innenhof ein Pool war, an dem das sonnige Wetter in Florida genossen wurde.

In Florida angekommen, mussten alle Auslandsstudenten am sogenannten „Orientation Day“ im „Center for Global Engagement“ (CGE) teilnehmen. Hier erhielten wir alle notwendigen Informationen um uns an der FSU zurechtzufinden. Von Vorteil war, dass sofort Kontakt zu den anderen Studenten aus dem Ausland und den Koordinatoren vor Ort geknüpft werden konnte. So war man von Beginn an nicht auf sich alleine gestellt. Im Zuge dessen erhielten wir auch eine Führung über den gesamten Campus. Des Weiteren bietet das CGE jeden Freitag die „International Coffee Hour“ an, bei welcher neben Kaffee auch kulinarische Spezialitäten aus fremden Ländern angeboten werden. Das CGE bietet auch ein „Global Ambassador“ Programm an, welches ich und andere Auslandsstudenten absolviert haben. Dabei präsentieren Auslandsstudenten an lokalen Schulen oder im Rahmen von Universitätskursen ihr Heimatland.

Ich absolvierte an der Florida State University insgesamt vier Kurse. Obwohl ich Geographie und Deutsch auf Lehramt studiere, konnte ich keine Geographiekurse besuchen, sondern wurde dem Geschichte Department zugeteilt. So belegte ich zwei Deutschkurse und zwei Geschichtekurse. Das dortige System erinnerte mich stark an das Schulsystem in Österreich. Statt nur einem Kurstermin pro Woche, wie an österreichischen Universitäten meist üblich, fanden die Kurse zwei – bis dreimal pro Woche statt – meist aber nur eine Stunde lang. Anwesenheitspflicht herrschte in jedem meiner Kurse, auch bei meinen vorlesungsähnlichen Geschichtekursen. Das Niveau empfand ich etwas niedriger als in Österreich, jedoch hatte man immer etwas zu erledigen – Hausübungen, Projekte, Referate, Essays oder auch Leseaufgaben sorgten für ständige Beschäftigung. Die Benotung setzt sich dementsprechend aus vielen Komponenten zusammen und nicht nur auf Basis einer Seminararbeit oder einer Abschlussprüfung. Hat man bereits genügend Punkte erreicht, kann man etwa auch die Abschlussprüfung auslassen.

In meinen Deutschkursen waren lediglich nur um die zehn Personen, was mir das Kontakteknüpfen allerdings sehr leicht gemacht hat. Ich wurde rasch in die Gemeinschaft aufgenommen und nahm auch an Veranstaltungen des „German Club“ teil, wie zum Beispiel zu Fasching oder zu Ostern und konnte viele neue Freunde finden, mit denen ich auch an Wochenenden viel unternahm. Ansonsten herrscht in Kursen mit höherer Teilnehmerzahl allerdings zumeist Anonymität – vor und nach den Kursen wird wenig bis gar nicht miteinander kommuniziert.

Generell kommt an der Florida State University nie Langeweile auf. Der riesige Campus verfügt über ein dreistöckiges Fitnessstudio mit Schwimmbecken, ein eigenes Kino in welchem auch aktuelle Filme vor Kinostart laufen, eine Bowlingbahn und zahlreiche Möglichkeiten, einen Kaffee zu trinken oder einen Snack zu essen. Beeindruckend war vor allem die Hauptbibliothek, welche fünf Stöcke umfasst und unter der Woche durchgehend geöffnet hat. Zudem verfügt jede Bibliothek über ein eigenes Café. Unzählige Bänke und weitläufige Rasenflächen laden einen aber auch ein, fällige Aufgaben draußen am (meist) sonnigen Campus zu erledigen.

Ein besonderes Highlight waren die Sportveranstaltungen der FSU Sportmannschaften, welche auch „Seminoles“ genannt werden. Diese gelten als spezielles Identifikationssymbol der ca. 45 000 Studenten – läuft man über den Campus, begegnen einem unzählige Personen in gold-roten (die offiziellen Farben der FSU) Fanshirts. Die American Footballmannschaft gilt als eine der besten der USA und spielt in einem Stadion, in welchem bis zu 80 000 Fans Platz finden. Leider findet American Football nur im Herbst statt, sodass ich mich mit einem teaminternen „Spaßspiel“ im April zufriedengeben musste. Allerdings wird an der Florida State University auch Basketball gespielt – und das in diesem Jahr äußerst erfolgreich. Auch zu den Basketballspielen pilgern regelmäßig tausende Leute um die Mannschaft (oder besser: ihre Universität) anzufeuern.

Freie Tage während und nach dem Semester wurden zudem auch zum Reisen genutzt. So besuchte ich mit einigen neuen Freunden New Orleans in Louisiana, die Bahamas, Orlando, Miami und New York City. Zum Reisen bieten sich dafür Fernbusreisen der Anbieter „Greyhound“ oder „RedCoach“ an. Diese Busfahrten sind preislich in Ordnung – jedoch darf man keine Luxusreisen erwarten.

Schlussendlich kann ich nur jedem empfehlen, ein Auslandssemester an der Florida State University zu absolvieren. Ist der organisatorische Aufwand erstmal erledigt, ist es eine unglaubliche Erfahrung und Bereicherung, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde. Falls sich jemand an der Universität Salzburg für die Florida State University interessiert, stehe ich gerne für Fragen bereit.

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