Erfahrungsbericht Schulpraktikum in Köln

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Hey Kölle, du bes e Jeföhl! (Dt. Hey Köln, du bist ein Gefühl!)

Mein BA5-Praktikum in Köln. 
Ein Erfahrungsbericht von Karola Winsauer

Studienjahr 2018, Do Nachmittag, Hörsaal E.003. Infoveranstaltung „Studieren im Ausland“.
Meine Erwartung: Information für Studienassistenz in Spanien bekommen. 
Realität: Termin für Bewerbung um Stelle in Köln fixiert.

Ja, so kann‘s laufen. 

Ursprünglich kam als Auslandsaufenthalt für mich nur Spanien in Frage. Wenn man jedoch im Februar in Köln ist, kommt es einem fast so vor, als sei man in Spanien: 

  • Überall hört und sieht man „Viva Colonia“. 
  • Die Sprache (=Kölsch) kommt einem ziemlich spanisch vor. 
  • Und auch das Kölsch (Bier) schmeckt gleich gut wie ein Bier in Spanien. 

Die Karnevalszeit in Köln scheint dort die fünfte Jahreszeit zu sein. Es ist kein Event oder Feiertag, sondern eine Lebenseinstellung (ein ganzer Monat wird nach dem Kölschen Grundgesetz gefeiert und gelebt). Kölle Alaaf!(Kölner Karnevalsruf)

Obwohl der Grund für meinen Besuch der Infoveranstaltung ja eigentlich eine andere war, musste ich nach all den Informationen, dass man nun auch das BA5 Praktikum in Köln absolvieren kann und das sogar noch im Februar (!), nicht lange überlegen. Köln im Februar und das Praktikum in den Ferien stressfrei und in einem anderen Schulsystem absolvieren? Na klar!

Frau MMag. Siwek-Marcon übermittelte mir und einer guten Freundin, die auch mit nach Köln gegangen ist, jedoch eine andere Schule zugeteilt bekommen hat, die notwendigen Kontaktdaten und leitete alles für uns in die Wege (An dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank dafür!). Da die Uni Köln im Februar leider Semesterferien hatte, konnten wir keine parallele Begleitlehrveranstaltung absolvieren. Dennoch hatten wir vor Ort einen Koordinator, der unser persönlicher Ansprechpartner für Fragen und Problemen war und uns auch mit hilfreichen Tipps zur Seite stand. Leider haben wir keine Förderung bekommen, da das einmonatige Schulpraktikum (zumindest zum damaligen Zeitpunkt) zu kurz war, um ein Erasmus Stipendium beantragen zu können. Es war es aber dennoch eindeutig wert!

Die Wohnungssuche:

Wir hatten viel Glück bei der Wohnungssuche. Ein junges Paar vermiete uns seine sehr geräumige, zentrale und gemütliche Wohnung zur Zwischenmiete, da es für 6 Wochen auf Reisen war. Die Wohnung haben wir über www.housinganywhere.com gefunden und nach einem Skype-Gespräch war auch die Zusage gesichert. 

Folgende zusätzliche Tipps, die wir von unserem Koordinator bekommen haben, möchte ich euch nicht vorenthalten: 

  • Die Seite des Kölner Studierendenwerks könnte bei der Suche einer Unterkunft hilfreich sein: http://www.kstw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=315&Itemid=11&lang=de
  • Zudem gibt es etliche Facebookgruppen, in denen Wohnungen zur Zwischenmiete angeboten werden. 
  • Auch die Suche über Airbnb ist evtl. eine Möglichkeit, eine geeignete Unterkunft zu finden. 
  • Der AStA der Universität Köln stellt die einzelnen Viertel der Stadt vor. Dies kann bei der Suche nach einer passenden Unterkunft auch behilflich sein. Siehe dazu: http://pr-0013.sts-dl-02.smarttec.biz/angebote/stadtteile/ 

Das Praktikum:

Mein Praktikum durfte ich am Maximilian-Kolbe-Gymnasium absolvieren. Dieses Gymnasium lag etwas außerhalb der Innenstadt Köln, war aber dennoch gut mit den Öffis zu erreichen. An meiner Schule hospitierte ich in den Fächern Spanisch und Ethik. Einen PP-Unterricht, wie es ihn in Österreich gibt, gibt es in Deutschland nicht. Von meiner Koordinatorin bekam ich in der ersten Woche einen Stundenplan, laut dem ich am ersten Tag einen ganzen Tag in einer Klasse verbringen sollte, am zweiten Tag einen ganzen Tag lang den Schullalltag einer Lehrperson beobachten durfte und am dritten Tag einen ganzen Tag lang mit einem Schüler in seine Unterrichtsstunden mitgehen sollte. Alles lief nach Plan: So lernte ich verschiedene Lehrpersonen, unterschiedliche Klassen und Schülerinnen und Schüler und das ganze Schulgebäude kennen. Ab dem vierten Hospitationstag war ich auf mich selbst gestellt und konnte mit all den Spanischlehrerinnen und -lehrern der Schule Termine für Hospitation und Unterricht ausmachen. Das Praktikum im „Ausland“ zu machen war wirklich eine Bereicherung! Ich durfte ein neues Schulsystem kennenlernen und wurde im Kollegium aufgenommen, als wäre ich Teil des Teams (gemeinsame Mittagspausen, hilfreiche Informationen und wertschätzende Gespräche, Einladung, den Karneval mit ihnen in einer Kneipe zu feiern, etc.). Dies habe ich an den Salzburger Schulen bislang leider nie so kennengelernt. Auffällig war, dass das Spanisch-Niveau der Schüerinnen und Schüler wesentlich niedriger war, als das der Schülerinnen und Schüler, die ich bis jetzt in Salzburg unterrichtet habe.

Der Höhepunkt an der Schule war auf alle Fälle der Tag der Weiberfastnacht. An diesem Tag gilt in Köln Ausnahmezustand. Egal ob an den Schulen, auf den Straßen, in den Büros oder in Kneipen… überall steppt der Bär. An diesem Tag fällst du nicht auf, wenn du verkleidet bist, sondern, wenn du nicht verkleidet bist. Wirklich alle Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen kamen verkleidet in die Schule und es wurde Karneval gelebt. An diesem Schultag wird grundsätzlich nicht unterrichtet. Jede Klasse kann in ihrem Klassenzimmer machen, was sie möchte, egal ob Tanzfläche und Disco, Karaoke, Popcorn- und Zuckerwatte, Spiele, … alles war dabei. Ich war an diesem Vormittag vor allem bei den Kleinen, sprich in einer Unterstufenklasse eingeteilt. Dort hatten wir das Thema Schlaraffenland, dekorierten dementsprechend das Klassenzimmer und überlegten uns für die Nebenklassen Spiele und Challenges, durch die sie durchmussten. Ab 10:30 war ich für die Aufsicht am Schulhof eingeteilt. Da die Schülerinnen und Schüler es an diesem Tag immer als Challenge sehen, Alkohol in der Schule zu konsumieren, um sich schon am Vormittag zu betrinken, ist jede Lehrperson eine gewisse Zeit lang für die Gang- und Pausenhofaufsicht zuständig. Am Eingangstor der Schule wurde zusätzlich eine strenge Taschenkontrolle durchgeführt. Am Ende des Tages war der Mülleimer der Mädchentoilette aber dennoch mit Klopfer-Fläschchen randvoll. Während die Kleinen in ihren Klassenzimmern „Party“ gemacht haben, durften die Abiturientinnen und Abiturienten und die Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler im großen Saal feiern. Dort wurde getanzt und gefeiert. Jede Stunde kam ein anderer Act. Der Schulsprecher und seine Stellvertreterinnen und Stellvertreter führten eine Karnevalssitzung durch und freiwillige Schülerinnen und Schüler traten auf. Um 12:00 Uhr gab es dann den Höhepunkt: Ein Tanzverein kam und führte eine Showeinlage auf (die Mädchen, die tanzen und dabei durch die Luft geschleudert werden, nennt man in Köln Mariechen). Nach der Tanzeinlage durfte ich gehen und die Karnevalssause auf den Straßen und in den Kneipen miterleben.

Was die Stadt Köln bietet und was wir herzlichst empfehlen können:

  • Sprachencafé Mundo Lingo Cologne jeden Mittwoch Abend ab 19:00 (in „die Wohngemeinschaft“)
  • Pubcrawl durch die Stadt (es gibt viele unterschiedliche Anbieter)
  • 100e Bars und Kneipen
  • Sightseeing-Tour (egal ob Free Walking Tour oder Bustour)
  • Brunch-Lokale in Köln: Unsere absoluten Favoriten = Café Buur und The great berry
  • Jumphouse Köln (Trampolin-Sprung-Halle – mit den Öffis erreichbar)
  • Die folgenden Webseiten stellen die wichtigsten Infos zu Veranstaltungen in Köln bereit:
    https://www.meetup.com/de-DE/Mundo-Lingo-Cologne/https://www.koeln.de/koeln/was_ist_los/topeventshttps://www.koelntourismus.de/sehen-erleben/events-highlights/https://www.eventbrite.de/d/germany–köln/events/

Monatsticket für Öffis: 

Auf der Homepage des Kölner Verkehrsverbundes haben wir herausgefunden, dass es während der Absolvierung eines Praktikums in Deutschland ein 25%-ermäßigtes Monatsticket gibt. Für das Ticket benötigten wir eine Bescheinigung des Arbeitgebers (von unseren Betreuungslehrern) und der Ausbildungsstelle (vom Direktor unserer Schule) über den Zeitraum des Praktikums und ein Lichtbild. Der ausgefüllte Antrag musste dann nur noch zusammen mit dem Passfoto in einem KundenCenter der KVB AG vorgelegt werden. 
(Zeit-Tickets – Auszubildende – Preisstufe 1b – Köln CityTicket – 74,00€ MonatsTicket)

Köln in der Karnevalszeit:

  • Das Kölschfest (Viva Colonia)
    Im Festzelt am Südstadion (mit einem Festzelt auf der Münchner Wiesn zu vergleichen) wird beim Kölschfest den ganzen Februar Karneval gefeiert. Tipp: Tickets im Vorhinein sichern.
  • Karnevalssitzungen 
    Wir bekamen leider keine Tickets mehr für eine Karnevalssitzung. In diesen Sitzungen wird den kostümierten Zuschauern ein buntes Programm an karnevalistischen Darbietungen geboten: Musik, Lieder zum Mitsingen, Tänze von Mariechen und anderen Tanzgruppen, Kabarett, … Wichtig: Viele Sitzungen werden auf Kölsch abgehalten, was sehr schwer zu verstehen ist.
  • Weiberfastnacht 
    An diesem Tag beginnt der Straßenkarneval in Köln. Nachdem die Oberbürgermeisterin die Schlüssel der Stadt feierlich an das Dreigestirn (bestehend aus Prinz, Bauer und Jungfrau – alle werden von Männern verkörpert und werden jährlich neubesetzt) überreicht hat, wird von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag fünf Tage lang ausgiebig Karneval gefeiert. Kleiner Tipp: Am Chlodwigplatz versammeln sich eher Studenten, auf der Zülpicher Straße feiern die Jugendlichen und Teenager. Tipp für die Studentenkasse: Bier in umliegenden Supermärkten kaufen, kommt wesentlich billiger und man kommt schneller zu einem Getränk (Es sind wirklich Menschenmassen unterwegs.) Beendet wird die Weiberfastnacht in traditionellen Köllner Kneipen. Btw. in Kneipen kostet ein Kölsch durchschnittlich 1€. 
  • Karnevalssamstag:

Funkenbiwak: Ab 10:30 Uhr schlagen die roten Funken ihr Biwak auf dem Neumarkt auf. Es werden Tänze aufgeführt (in denen unter anderem die Hintern aneinandergerieben und Mariechen durch die Luft geworfen werden) und Karnevalslieder gesungen. Traditionell wird Erbsensuppe gegessen und Kölsch getrunken. 

Jeisterzoch: Am Samstagabend findet der Geisterzug statt – der wohl alternativste und politischste unter all den Kölner Karnevalsumzügen. 

  • Karnevalssonntag: 
    Am Karnevalssonntag finden vor allem Schull- und Veedelszöch (Schul- und Stadtteilszüge) statt. Bei diesen Umzügen hat man den Eindruck, als würden Kamelle (Zuckerl) vom Himmel regnen. Es wird wirklich alles verteilt oder sogar von den pompösen Umzugswägen heruntergeworfen: Hunderte Tonnen Süßigkeiten, ganze Kekspackungen, Kunstblumen, Schnittblumen, T-Shirts, … 
  • Rosenmontagszug:
    Der Rosenmontag ist der absolute Höhepunkt des Straßenkarnevals. Ein 3,5-stündiger Umzug führt quer durch die Innenstadt. Bereits Stunden bevor der Umzug beginnt, beziehen viele Jecke (Bezeichnung für Karnevalisten) schon ihre Plätze am Straßenrand (ausgestattet mit Campingstühlen, Musikboxen, Proviant und na klar … Kölsch). 

Reisen, die sich an Wochenenden auszahlen:

Düsseldorf (ca. 30 Minuten Zugfahrt vom Hauptbahnhof aus – 6€ pro Strecke)

Bonn (ca. 20 Min. Zugfahrt vom Hauptbahnhof aus – wenn ich mich richtig erinnere war diese Fahrt im Monatsticket inkludiert)

Aachen (ca. 50 Min. Zugfahrt vom Hauptbahnhof aus – Kann mich nicht mehr an den Preis erinnern)

Über die wunderschöne Stadt Köln, den Karneval, die überaus hilfsbereiten, sympathischen und netten Kölner und die Erlebnisse vor Ort könnte ich stundenlang berichten…
Eine Phrase eines Karnevalssongs, die unserer Meinung auf alle Fälle zutrifft:

Et gitt kei Wood, dat sage künnt  (Es gibt kein Wort, das beschreiben könnte)
wat ich föhl, wann ich an Kölle denk 
(was ich fühl wenn ich an Köln denke)
Es wor endeutig en superjeile Zick. Wir werden sicher e levve lang daran zurückdenken und bestimmt einmal wiederkommen. Einmal Jeck, immer Jeck.